Brigitte Calls Me Baby - Irreversible | Feature, © Rosnstein
Brigitte Calls Me Baby Rosnstein

Brigitte Calls Me Baby - Irreversible | Feature

Zwischen Euphorie und Traurigkeit

31.03.2026

Mit ihren 80er-Jahre-Frisuren, den tiefsitzenden Hemden und ihrem dandyhaften Look wirken die Mitglieder von Brigitte Calls Me Baby wie eine Band aus einer anderen Zeit. Nicht zuletzt tragen auch die häufig gezogenen Vergleiche zu Bands wie den Strokes oder den Smiths - besonders zu Sänger Morrissey - dazu bei.

Trotz aller Parallelen macht Brigitte Calls Me Baby aber ihr ganz eigenes Ding: Ansteckenden Alternative-Rock mit fröhlich-wavigen Synths, klirrenden Post-Punk-Gitarren und großen Arrangements.

Der Bandname ist von einer angeblichen Brieffreundschaft des Sängers Wes Leavins aus dessen Teenagerjahren mit der französischen Sängerin Brigitte Bardot inspiriert - ob sie ihn wohl wirklich “Baby” genannt hat?

Ein Album in Bewegung

Mit “Irreversible” veröffentlicht die Band aus Chicago ihr zweites Album - und hält damit die Erwartungen nach der ersten Platte mühelos hoch, ohne zu enttäuschen: schnulzig, zuckrig-süß und melancholisch. 

Im Gegensatz zu “The Future Is Our Way Out“, ihrem gefeierten Debüt von 2024, entsteht “Irreversible” in Bewegung: Auf Tour, in Hotels und Airbnbs und während der Soundchecks ihrer Konzerte. Die erste Single “Slumber Party”, ein treibender Track über Isolation und Ängstlichkeit, markiert dabei den Startschuss für das neue Album, erzählt Sänger Wes Leavins:  

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Auch beim Aufnehmen der Songs wird diese Dynamik fortgeführt und auf ausgedehnte Sessions verzichtet. In den nur wenige Stunden dauernden Aufnahmetagen tüftelt die Band mit Produzent Lawrence Rothman in dessen Homestudio. Ganz nach dem Motto: Intuition vor Übermaß.  

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Energie trifft auf neue Tiefe

Diese Spontanität ist auch in den Songs zu spüren, die ungehalten und fast ungeduldig klingen und die Energie und Intensität der Live-Shows einfangen - ob bei ausverkauften Konzerten ihrer Solo-Tour oder als Support bei Morrissey, Muse, Fontaines D.C. oder The Vaccines. Mit “Irreversible” präsentiert Brigitte Calls Me Baby schnulzigen Indie-Rock zwischen Euphorie und Traurigkeit, der vom Sound der 80er Jahre inspiriert ist.

"Ich denke, mit jedem Album, das man macht, und jedem Song, den man schreibt, ist man an einem anderen Punkt als zuvor – und wenn nicht, macht man etwas falsch."  Wes Leavins

Die Weiterentwicklung seit “The Future Is Our Way Out“ (2024) ist hier deutlich zu hören. Zwar katapultieren sie uns immer noch musikalisch zurück in die Zukunft und lassen sentimental auf die ewige Jugend hoffen - diesmal werden allerdings einige Grenzen ausgelotet, die auf dem Debüt noch strikt eingehalten wurden: “Irreversible” ist vielschichtiger, subtiler und lässt mehr emotionale Hochs und Tiefs zu.

Eine Veränderung, die für Wes Leavins als Künstler absolut notwendig ist: 

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Gefühle ohne Filter

Brigitte Calls Me Baby haben noch nie vor Theatralik zurückgeschreckt - das machten sie schon in “The Future Is Our Way Out” deutlich. Wo zuvor vielleicht noch jugendliches Zögern spürbar war, den Gefühlen freien Lauf zu lassen, zeigt Wes Leavins nun keine Zurückhaltung:

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“Irreversible” dreht sich schmerzverliebt um Angst, Traurigkeit und die verflossene Liebe, will aber bei all dem Leid der Jugend auch Hoffnung schenken. Die Musik ist für Wes Leavins dabei ein Werkzeug um zu heilen - für sich selbst, ebenso wie für andere.