
KI-Überwachung am Kotti | Was der Verhaltensscanner für uns bedeutet
Überwachungsdruck in Berlin
14.07.2026 Diona Bathily
Wer sich künftig am Kottbusser Tor aufhält, wird rund um die Uhr von einem KI-gestützten Videosystem beobachtet. Der Berliner Senat und die Polizei wollen damit die Sicherheit an einem der bekanntesten Knotenpunkte der Stadt erhöhen. Die neue Technik sorgt schon jetzt für heftige Diskussionen.
Das System soll nicht einfach nur filmen, sondern das Verhalten von Menschen automatisch auswerten. Mithilfe einer Software werden Bewegungsmuster analysiert: Gehen, Tanzen oder Umarmen gelten als unauffällig. Erkennt die KI dagegen Schläge, Tritte oder andere Hinweise auf Gewalt, schlägt sie Alarm.
Kritik kommt unter anderem vom Digitalexperten und Journalisten Martin Schwarzbeck. Für ihn markiert die Einführung der Technik eine neue Dimension der Überwachung im öffentlichen Raum. Er bezweifelt außerdem, dass die Kameras tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen. Studien zeigen, dass Videoüberwachung Kriminalität höchstens verlagert, sie aber nicht nachhaltig verhindert.
Besonders problematisch findet Schwarzbeck, dass auch bestimmte alltägliche oder soziale Situationen als auffällig eingestuft werden können. So gilt etwa das Merkmal „Liegen“ als potenziell problematisches Verhalten. Ein Punkt, der obdachlose Menschen benachteiligen könnte.
Hinzu kommt: Die Software beobachtet dauerhaft alle Menschen, die sich im überwachten Bereich bewegen, also unabhängig davon, ob sie überhaupt etwas Verdächtiges tun. Dadurch steigt der Überwachungsdruck im öffentlichen Raum deutlich.
Die Installation des Systems am Kottbusser Tor ist spätestens für Ende September geplant. Trotz der bereits beschlossenen Einführung hält Schwarzbeck Protest gegen die Maßnahme weiterhin für wichtig. Denn die Debatte über den Einsatz von KI im öffentlichen Raum stehe erst am Anfang.
Das Kottbusser Tor soll dabei nur der Anfang sein: Weitere intelligente Videoüberwachungssysteme sind bereits für die Warschauer Brücke, den Alexanderplatz und den Görlitzer Park vorgesehen.