Dressed To Thrill | Einzelausstellung über Claudia SkodaDressed To Thrill | Einzelausstellung über Claudia Skoda

Dressed To Thrill | Einzelausstellung über Claudia Skoda

FluxFM-Redakteurin Jasmin Kröger stellt euch die Ausstellung vor

07.04.2021

New York hat Andy Warhol und die Factory - Berlin hat Claudia Skoda und die FabrikNeu. In ihrem Kreuzberger Party- und Arbeitsloft revolutionierte die Modemacherin nicht nur die Strickmode, sondern versammelte die Boheme der 70er und 80er Jahre: David Bowie, Ulrike Ottinger oder Martin Kippenberger gingen bei ihr ein und aus. 

Erstmals wird der Netzwerkerin der Berliner Underground Szene nun eine Einzelausstellung gewidmet – Titel: „dressed to thrill“. Am 1. April hätte sie öffnen sollen – jetzt ist sie doch erstmal nur virtuell begehbar - FluxFM Redakteurin Jasmin Kröger hatte Glück, die durfte letzte Woche einen Blick in die Ausstellung werfen. Hingehen ist bisher nur virtuell möglich – bis zur Eröffnung im Kulturforum am Potsdamer Platz müssen wir uns noch gedulden: Virtuelle Ausstellung 

Beitrag von FluxFM-Redakteurin Jasmin Kröger
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Fast zwei Jahre stecken in der Ausstellung „Dressed To Thrill“ – Die Kuratorinnen Britta Brommert und Marie Aleth Skov haben sich dafür durch die Archive Skodas und ihrer Wegbegleiter*innen gewühlt. Ich bekomme eine kleine Privatführung. Als ich ankomme, haben die beiden gerade erfahren: die Eröffnung wird pandemiebedingt ein weiteres Mal verschoben. Ein Dämpfer.

„Wir freuen uns jetzt einfach total zu eröffnen, und jedes mal wenn es verschoben, tut es klein bisschen weh – wir wollen den Leuten jetzt endlich zeigen woran wir gearbeitet haben.“

Das Ergebnis ist beeindruckend. Die Ausstellung ist bloß ein Raum groß, versammelt aber ganze Welten aus Kunst, Mode, Musik. Nahtlos verbindet sich ein Lebensgefühl der Westberliner Undergroundszene der 70er und 80er mit internationalen Zeitgeist. Schwarze, glitzernde Wände, geziert mit Bildern namenhafter Fotograf*innen, in der Mitte Schaufensterpuppen in extravagantem sexy Skoda-Strick, davor riesen Leinwände: Hier laufen lebensgroß Super8-Aufnahmen: 

„Das sind eben ganz frühe Modenschauen von Claudia Skoda, da saßen dann auch Iggy Pop und Bowie im Publikum, das waren dann so Szene Events wo alle hinwollten, halb Party, halb Modenschau, halb Rockkonzert“, erzählt Kuratorin Skov. 

Skodas Freund David Bowie ist es, der ihr raten wird: Du musst mit deiner Mode nach New York. Hier eröffnet Skoda ihre erste Boutique. Zu ihren Kundinnen gehören fortan Größen wie Cher oder Tina Turner. Hauteng, asymmetrisch, tief dekoltiert: Der Strick von Skoda hat nix mit Müsli oder Lilalatzhose-Feminismus zu tun:

„Sie strickt auf der Maschine, das ist alles sehr viel härter, insofern das hat ein ganz anderes Feeling. Es gibt auch die bekannte Serie von Martin Kippenberger, wo sie sich auch inszeniert mit ihrer Strickmaschine – als ob es eine E-Gitarre wäre.“

Musik spielt bei Skoda eine wichtige Rolle. 1981 macht sie sogar selbst einen Ausflug in das Genre – mit “I bin a Domina” landet sie einen Undergroundhit. Elektromusik-Pionier Manuel Göttsching mischt das Stück, Ralf Hütter und Karl Bartos von der Band Kraftwerk gestalten das Cover. 

Leben und Arbeiten nach dem Lustprinzip, Hedonismus in vollen Zügen – ein Lebensgefühl dass uns in der Pandemie nicht ferner sein könnte. Planung ist ja auch überbewertet – wobei ich euch sehr an Herz legen möchte einen – wenn auch nur virtuellen Ausflug in diese tolle Ausstellung – zu planen. Vielleicht ein guter Anlass die Jogginghose bei Seite zu legen: LINK ZUR AUSSTELLUNG

Auf einem Foto der Ausstellung bekommt Skoda einen Kuss von auf die Wange von Freundin Vivienne Westwood. Wie viel Punk steckt wohl damals in Strick?

War das der Plan?

OTON: Nein...

Der damals noch unbekannte Martin Kippenberger kreierte einen Fußboden mit rund 1.300 Fotografien von sich, Ulrike Ottinger und Esther Friedman – „Eine Woche aus dem Intimleben der Fam. Skoda und Bekanntenkreis“, so der Titel des Werks. 

Leben und Arbeiten nach dem Lustprinzip, Hedonismus in vollen Zügen – ein Lebensgefühl dass uns in der Pandemie nicht ferner sein könnte.

Ausschnitt Abendschau – nur graue auch langweilig

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