Greg DulliGreg Dulli

Greg Dulli

im Interview

28.04.2020

Foto: Maciek Jasik

Desire - also Verlagen oder Begehren - eine Sache, ohne die die Welt wahrscheinlich eine deutlich bessere wäre. Und auch eine deulich langweiligere. Desire - das ist auch der Stoff, aus dem wohl die meisten guten Popsongs gestrickt sind. Auf dem Schlachtfeld, wo der Kampf der Gefühle ausgefochten wird, ist Greg Dulli als Kriegsberichterstatter längst Veteran.  30 Jahre hat er bei The Afghan Whigs und auch bei den Twilight Singers hochemotionale Gitarrenmusik geschrieben. Und die neue Solo-Platte "Random Desire" ist nicht sein Den Haag.

"Desire implies sexuality. Random means unplanned. Random desire means unplanned sexualitiy. And thats exciting!"

Es geht um die Aufregung einer ungeplanten Liebe, aber auch um die Kollateralschäden, die so eine Affäre anrichten kann. Die Songs sind trübe, schwrmütg, das Album ist komplett in Moll gehalten. Aber Moll-Akkorde müssen nicht immer todtraurig sein. Sie haben viele Nuancen und können auch nach dem Schwelgen in vergangenen Momenten klingen - oder danach, wenn man sich woandershin wünscht. Dieses Schwelgerische ist hier sehr präsent auf der Platte. 

Und es klingt anders, als die typische Whigs-Platte:

"Afghan Whigs is a rock band. This is not a rock album. There are a couple of rock tracks on it but 8 of the 10 songs don't even have electric guitar. 3 of them don't have drums at all. One of the drum parts is a beatbox. There is a harp, a horn, different instrumentation. It's not that I'm all of a sudden doing a Reggae album. But it's decidedly different to anything I've done before" 

Greg Dulli konnte sich auf seiner neuen Platte so ausleben, weil er fast alle Instrumente selber einspielte:

"By virtue of that, I am a very unique drummer and a very unique bass player, you know what i mean? These aren't my natural instruments, that gave it a little bit of danger."

Der Tod ist in den letzten Jahren näher an Greg Dulli heran gerückt. Nach dem Einspielen des letzten Whigs-Album ist der Gitarrist der Band und ein guter Freund von Dulli, Dave Rosser gestorben. Auch dieser Verlust hat großen Raum eingenommen in seiner Gefühlswelt und dementsprechend auch auf dem Album:

"I think about him every day. He was such an uniqe and special, wonderful and kind, beautiful friend. There are just not enough words for me. I loved him as much as I ever loved a person. An amazing  musician and the kind of friend you can only dream about."

Schwere Themen verhandelt der Musiker mit der Baritonstimme auf seinem Solo-Album: Verheerungen der Liebe, Unerfülltes Verlangen, Abschied, Tod und auch Rache. "Random Desire" ist das FluxFM Album der Woche.