
"Clayface" - Feinster Body-Horror statt klassischem Popcorn-Superheldenkino| Breitbild
Regisseur James Watkins & Drehbuchautor Mike Flanagan liefern eine gelungene DC-Geschichte - und das mit einer Prise Horror
24.10.2026 Ron Stoklas
Geht es um Comicverfilmungen denken die meisten an strahlende Held*innen. Ganz anders im Fall des neuen Streifens Clayface, der ab dem 22.10.2026 im Kino läuft. Der Film macht aus einem Schurken aus dem DC-Comicuniversum die Hauptfigur eines ziemlich düsteren Horrortrips. FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas mit der Kritik zum Kinostart.
FluxFM-Kritik: Wer braucht Helden, wenn es Bösewichte gibt
Wenn es um Projekte aus dem DC-Universum geht, haben diese in den vergangenen Jahren eine Sache immer wieder aufs neue bewiesen: Die vermeintlichen Held*innen werden für eine gelungene Story nicht zwingend benötigt. Sei es wie im Fall der Joker-Verfilmung von 2019, für die Schauspieler Joaquin Phoenix mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, oder aber die Serie The Penguin, welche allein bei der Emmy-Verleihung 2025 neun Auszeichnungen einheimsen konnte. DV versteht es seine Bösewichte in Szene zu setzen. Der neueste Beweis: Clayface!
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der talentierte Schauspieler Matt Hagen. Sein Markenzeichen: ein wunderschönes Gesicht. Bei einem Heimatbesuch in Gotham verliert sich der aufstrebende Schauspieler in einer wilden Partynacht, lässt sich trotz Warnung mit den falschen Leuten ein. Für Hagen ist es eine Nacht mit schmerzhaften Konsequenzen. Weil er sich an dessen Freundin herangemacht hat, entstellt ein Gangster Hagen auf brutale Weise das Gesicht. Die Hoffnung auf Gerechtigkeit zerplatzt schnell, weil sein Ruf infolge einer Schmierenkampagne durch den Dreck gezogen wird. Gesicht und Karriere - beides scheint zerstört. Um sein Antlitz zu retten, lässt er sich auf eine experimentelle Behandlung ein.
Caitlyn Corr: "Was wollen Sie, Mr. Hagan?"
Matt Hagen: "Ich will mein Leben zurück."
Caitlyn Corr: "Das ist keine Schönheits-OP."
Matt Hagen: "Selbst wenn es mich umbringt, wäre ich besser dran als jetzt."
- Szene aus Clayface
Clayface oder Matt Hagen - wer ist hier das echte Monster?
Die Behandlung auf Basis rekonstruktive Nano-Technologie hat jedoch einen Haken: Hagen beginnt sich zu verändern, kann plötzlich seine Gestalt verformen - allerdings nicht immer kontrolliert. Aus dem Schauspieler, der unbedingt wieder der Alte sein wollte, wird ein Monswater.
Wobei an dieser Stelle die Frage erlaubt sein muss: Wer ist hier eigentlich das wahre Monster? Der Mann, der sich plötzlich in ein Wesen aus Ton verwandelt und dabei seinen Zustand zwischen flüssig oder fest wechseln kann? Oder doch eher der Schauspieler, welcher sein ganzes Leben eigentlich immer seine Optik gesetzt hat – wohlgemerkt in einer Branche, in der Aussehen vermeintlich wichtiger ist als Talent.
Im Fall von Hagen zeigt sich, dass er in Folge des Verlustes seiner Identität als schöner Schauspielers zunehmend die Kontrolle verliert. Dazu kommt sein Wunsch nach Rache an den Menschen, die ihm das angetan haben.

Feinster Body-Horror statt Popcorn-Superheldenkino
Statt die Geschichte nach der vermeintlichen Superheld*innen-Popcorn-Formel zu inszenieren, setzt das Duo um Regisseur James Watkins und Drehbuchautor Mike Flanagan auf feinsten Body-Horror. Verliert Hagen die Kontrolle, erleben wir wie sein Gesicht regelrecht zerfließt oder sich sein Körper sprunghaft verändert. Das ist teils wirklich unangenehm anzusehen – im besten Sinne, wenn man Horror mag.
Der Film erinnert dabei eher an klassische Monsterfilme als an die üblichen Comic-Blockbuster. Weil die Geschichte für sich selbst steht, braucht es zudem kein großes Vorwissen über Batman und das DC-Universum an sich.
Matt Hagen: "Was passiert mit mir?"
Caitlyn Corr: "Wenn Sie so etwas wie Wut in sich spüren, dann müssen Sie sie loslassen."
Matt Hagen: "Sie wollen wissen, wie ich mich fühle? Die Leute, denen ich vertraut habe, haben mich verraten. Das Rechtssystem hat mich im Stich gelassen. Sie haben meine Karriere, mein Geld, mein Leben gestohlen. Ich bin ein Monster!"
- Szene aus Clayface
Fazit: Gelungene Comic-Verfilmung im Body-Horror-Modus
Clayface ist dann stark, wenn es wirklich eklig und unberechenbar wird. Die körperlichen Verwandlungen sind verstörend, und Tom Rhys Harries macht aus Hagens Absturz eine interessante Charakterstudie. Ganz rund ist der Film zwar nicht: Die Rachegeschichte folgt bekannten Mustern, und nicht jede Entwicklung ist gleichermaßen überzeugend.
Alles in allem ist dieser düstere Genrewechsel eine willkommene Abwechslung zum üblichen Superheldenkino. Wer auf Body-Horror steht, bekommt einen ziemlich schleimigen Albtraum – und wer bei Comicverfilmungen sonst eher abschaltet, könnte überrascht werden. Vor allem aber beweist der Film, dass es nicht immer die großen Helden für eine gelungene Comic-Verfilmumg benötigt.
Mehr Kino im FluxFM-Programm
Das Breitbild zu Clayface wurde erstmals am 23.10.2026 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.




















