FluxFM Berliner Schnipsel
Stadtführer Matti Geyer bringt Berlins Vergangenheit ins Hier und Jetzt.

Moka Efti: Das verrückteste Kaffeehaus Berlins
15.09.2026 Matti Geyer
Wer „Babylon Berlin“ gesehen hat, kennt das Moka Efti als schillernden Nachtclub voller Musik, Glamour und Geheimnisse. Tatsächlich gab es das Moka Efti wirklich – und die Realität war fast noch spektakulärer als die Serie.
Ende der 1920er Jahre strömen die Berlinerinnen und Berliner an die Ecke Friedrichstraße und Leipziger Straße. Dort eröffnet der griechischstämmige Kaufmann Giovanni Eftimiades sein Moka Efti. Weil sein Nachname vielen zu kompliziert ist, nennt er sich einfach „Efti“. Zusammen mit dem griechischen Mokka entsteht so der Name des berühmten Kaffeehauses.
Doch das Moka Efti ist weit mehr als ein Café. Schon die Fahrt nach oben wird zur Attraktion: Eine Rolltreppe bringt die Gäste direkt ins Haus – für viele die erste ihres Lebens. Oben erwarten sie orientalische Wandgemälde, maurische Bögen, ein ägyptischer Salon und sogar ein Gang im Stil eines Waggons des Orient-Express.
Bis zu 25.000 Tassen Kaffee werden hier täglich ausgeschenkt. Gleichzeitig können sich die Gäste rasieren lassen, Billard spielen oder ihre Post erledigen. Wer wenig Zeit hat, diktiert seine Briefe einer Sekretärin und schickt sie direkt von dort aus auf die Reise.
Nachts verwandelt sich das Moka Efti in einen der berühmtesten Tanzpaläste Berlins. Charleston, Tango und Swing ziehen ein internationales Publikum an. Später eröffnet Efti sogar ein zweites Haus am Tiergarten – mit Wasserfällen, exotischen Vögeln und noch mehr Glamour.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endet die Blütezeit. Swing und andere moderne Tänze geraten unter Druck, Verbote folgen. 1943 werden beide Moka-Efti-Häuser bei Luftangriffen zerstört.
Ganz verschwunden ist die Legende jedoch nie. Heute lebt das Moka Efti vor allem durch „Babylon Berlin“ weiter. Die berühmten Clubszenen wurden allerdings nicht im Originalgebäude gedreht, sondern im Theater im Delphi in Weißensee – einem ehemaligen Stummfilmkino, das den Glanz der Goldenen Zwanziger bis heute bewahrt.