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Zurück nach Berlin: Die Heimkehr des Fischer Verlags | Berliner Schnipsel

Gegründet in Berlin, vertrieben von den Nazis, zurück in der Hauptstadt: Die bewegte Geschichte des S. Fischer Verlags.

05.10.2026 Matti Geyer

Als der junge Buchhändler Samuel Fischer 1886 in der Berliner Mohrenstraße seinen eigenen Verlag gründet, ahnt niemand, dass daraus eines der bedeutendsten Literaturhäuser Europas entstehen wird. Anfangs verkauft Fischer nicht nur Literatur, sondern auch Eisenbahnkursbücher. Doch schon bald beweist er ein außergewöhnliches Gespür für große Autoren.

Er holt den Norweger Henrik Ibsen nach Deutschland, entdeckt einen unbekannten jungen Schriftsteller namens Thomas Mann und veröffentlicht später Werke von Hermann Hesse, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Döblin und Gerhart Hauptmann. Mit günstigen Ausgaben für eine Mark macht er Literatur für ein breites Publikum zugänglich – lange bevor Taschenbücher selbstverständlich werden.

Die Nationalsozialisten zerstören diese Erfolgsgeschichte beinahe. Zahlreiche Autoren müssen ins Exil gehen, Bücher werden verboten und aus dem Verlagsprogramm gestrichen. Nach Samuel Fischers Tod übernimmt Peter Suhrkamp die Leitung des in Deutschland verbliebenen Verlagsteils, während Fischers Schwiegersohn Gottfried Bermann Fischer Autoren und Rechte über mehrere Stationen ins Exil rettet. Aus den Wirren von Diktatur, Verfolgung und Exil entstehen schließlich zwei der prägendsten Verlage der deutschen Nachkriegsliteratur: S. Fischer und Suhrkamp.

Nach 1945 wird Frankfurt am Main zum neuen Zentrum des Fischer Verlags. Doch die Verbindung nach Berlin reißt nie ganz ab. Mit der Eröffnung eines Berliner Standorts im Jahr 2023 beginnt die Rückkehr zu den Wurzeln. Ab 2027 verlegt der Verlag seine Geschäftsführung sowie zentrale Bereiche wie Marketing und Vertrieb wieder in die Hauptstadt.

Fast 140 Jahre nach seiner Gründung schließt sich damit ein historischer Kreis. Die Stadt, in der Samuel Fischer einst seine Vision von moderner Literatur verwirklichte, wird erneut zum wichtigsten Standort eines Verlags, der deutsche Literaturgeschichte geprägt hat wie kaum ein anderer.