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 Caleb Oquendo, Pexels

Wie 90er-Videospiele unser Gehirn trainierten – und warum das heute fehlt

Vom ‚Game Over‘ zum ‚Geschafft!‘ – was moderne Spiele oft vermissen

03.03.2026

Wer an die 90er denkt, denkt an Super Mario, Pokémon, The Legend of Zelda, Final Fantasy oder Rollercoaster Tycoon. An Spiele, die uns stundenlang vor dem Gameboy, der Playstation oder dem PC festgehalteten – nicht wegen Push-Nachrichten oder Season Pässen, sondern wegen einer Frage: „Schaffst du es – oder fängst du von vorne an?“

In den 90ern gab es kein Speichern in der Cloud, keine Mikrotransaktionen, kein ‚Kauf dir ein Upgrade‘. Stattdessen: ein paar Leben, ein klares Ziel und ein Gefühl von echtem Erfolg, wenn der Abspann lief. Dieses Gefühl, sagt die US-amerikanische Mental-Health-Beraterin Veronica Lichtenstein, war „Gold wert fürs Gehirn“.

„90er-Videospiele zwangen Kinder, sich anzustrengen“, erklärt Lichtenstein. „Sie mussten selbst Lösungen finden, was kritisches Denken förderte. Sie lernten Ausdauer, analysierten Levels, übten – und arbeiteten oft mit Freunden zusammen. Jedes Spiel hatte ein echtes Ende, was ein nachhaltiges Gefühl von Abschluss und Erfolg schuf.“

Zwanzigmal verloren, beim einundzwanzigsten Mal endlich durchgezogen – ohne Googeln, ohne Cheats. Das Gehirn bekam keine schnellen „Zuckerschocks“, sondern eine solide Portion Zufriedenheit, wie nach einer schweren Prüfung, die man endlich bestanden hat.

Moderne Spiele funktionieren oft anders. Titel wie Fortnite oder Roblox setzen auf Dauerbindung: keine klaren Enden, keine Abspänne, nur die nächste Season, Push-Nachrichten und Sonderangebote. Psychologisch gesehen entsteht so eine Endlosschleife mit kleinen Belohnungen – das Gehirn gewöhnt sich an schnelle Glücksgefühle, nicht an echte Herausforderungen.

„Heute beobachten wir einen Rückgang an kritischem Denken“, warnt Lichtenstein. „Viele Spiele fördern Neugier nicht mehr, sondern setzen auf sofortige Befriedigung – das kann suchtähnliches Verhalten begünstigen.“ Zudem sind Spiele heute oft Solo-Aktivitäten, während die 90er noch für gemeinsames Spielen mit Freunden standen. Studien zeigen: Kinder, die in den 90ern Videospiele spielten, schnitten in Tests zu Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle und räumlichem Denken besser ab.

Natürlich gibt es auch heute noch großartige Spiele – aber die Art, wie wir spielen, hat sich verändert. Die 90er waren eine Ära, in der Spiele nicht nur unterhielten, sondern Fähigkeiten fürs Leben vermittelten.

Der Sohn von Veronica ist inzwischen unter die Computerspielentwickler gegangen und hat mit Cat In A Plane ein an die 90er angelehntes Spiel entwickelt: Als Fat Nucky, ein schnippischer Kater mit Flugzeug, kämpfst du dich durch neun immer schneller werdende Levels, besiegst Mäuse mit Helikopter-Hüten und triffst dreimal auf den Bosskampf gegen Ronold – mit nur fünf Leben und ohne Speicherfunktion. Das Game Boy®-Spiel (als ROM-Datei für Emulatoren wie Delta, My OldBoy! Lite oder BGB) setzt bewusst auf den Charme der Klassiker: keine Mikrotransaktionen, kein Endlosgrind, sondern echte Herausforderungen und ein befriedigendes „Geschafft!“, wenn der Abspann läuft.