
Pride ohne Förderung: Wie der CSD Rathenow für queeres Leben auf dem Land einsteht | Interview
Kurz nach dem Anschlag auf den Berliner CSD wurde der Pride im Havelland die Förderung gestrichen - Spenden retten den CSD
18.08.2026 Ron Stoklas
Mehr Solidarität und besserer Schutz für die queere Community – das hat Bundesfamilienministerin Karin Prien direkt nach dem Anschlag auf den Berliner CSD versprochen. Damit scheinbar nicht gemeint, der Christopher Street Day in Rathenow.
Förderabsage kurz nach Anschlag auf Berliner CSD
Nachdem die ersten beiden Ausgaben des Pride-Events im Westhavelland mit 1.000 Euro über das lokale Bündnis Partnerschaft für Demokratie unterstützt wurden - finanziert aus dem Topf des Bundesprogramms Demokratie leben!, das Preins Ministerium untersteht -, ist damit jetzt Schluss. (die Märkische Allgemeine Zeitung hatte als Erstes berichtet)
Nur wenige Tage nach dem Anschlag auf den Berliner CSD erfolgte die Förder-Absage. Die Begründung: Demonstrationen seien nicht mehr förderfähig. Eine bittere Nachricht, wie Dennis Driebusch, der Hauptorganisator des Rathenower CSDs, sich FluxFM-Interview erinnert.
"Es ist erst mal sehr schade, dass das jetzt dazu gekommen ist, aber leider auch erwartbar gewesen. Seit Regierungsantritt wurde angekommen, dass das Demokratie leben! Programm umgestaltet wird. Man hört von Nachbarkommunen anderen Kommunen in Deutschland, dass es immer schwieriger wird, Projekte zu fördern von Demokratieleben. Die Auflagen werden immer mehr. Aber dass, das jetzt in dieser Form den CSD in Rathenow betrifft, habe ich auch nicht kommen sehen."
Kritik an Förderstopp - bundesweite Unterstützung für CSD
Das Förder-Aus stellte auch das Team der Westhavelländer Pride vor ungewisse Zeit. Die 1.000 Euro würden laut Driebusch vor allem für die Durchführung und Bereitstellung von Sicherheitspersonal benötigt. Es folgte eine deutschlandweite Welle der Empörung. Kritisiert wurde, dass der kleine CSD regelrecht im Stich gelassen wird. Was laut Dennis Driebusch, dem Hauptorganisator der Rathenower Pride-Demo, aber auch folgte: echte Solidarität!
"Aus ganz Deutschland haben wir Rückmeldungen bekommen von Leuten, die gefragt haben, wie Sie uns unterstützen können und ob wir schon eine Spendenkampagne gestartet haben. Aber nicht nur aus der Bevölkerung bekommen wir Zuspruch. Ich wurde vom Sozialministerium des Landes Brandenburg angerufen. Die machen sich auch Sorgen. Ich bin in Gesprächen mit der Stadt Rathenow, um zu schauen, wie der CSD trotzdem stattfinden kann."
"Genug Leute, die queer sind und im ländlichen Raum leben"
Hier gibt es bereits gute News: Die Finanzierung des diesjährigen CSD in Rathenow ist gesichert und die Demo findet wie geplant am 12. September statt. Möglich machen es eine eigens gestartete Spendenkampagne, sowie eine Spendenaktion der Bündnisgrünen auf Bundes- und Landesebene, die mehr als 2000 Euro eingesammelt hat. Für Driebusch ein Zeichen für die queere Community in der Region.
"Man sieht ja immer wieder die CSD ist in den Ballungsgebieten Berlin, Hamburg et cetera, aber es gibt genug Leute, die queer sind und im ländlichen Raum leben. Und da ist es wichtig, dass man das hier vor Ort zeigt. Und ja, mit dem CSD wollen wir hier vor Ort in Rathenow auch ein Gespräch anregen, dass man, dass man sich über dieses Thema unterhält, dass man diskutiert über queere Sichtbarkeit, Gleichberechtigung, Inklusion."
Laut Dennis Driebusch ist der Christopher Street Day aber nicht nur für die queere Community in der Stadt an der Havel wichtig - die Demo ist stellvertretend für die gesamte Region.
"Im Rathenower Raum, sogar Havelland, sehen wir, dass es immer weniger Veranstaltungen gibt, die für Demokratie einstehen, für Freiheit einstehen. Und der CSD greift das mit auf das Thema und ist somit auch weitaus mehr als nur dieses eine Thema."
Wer den CSD in Rathenow unterstützen will, kann am 12. September vor Ort vorbeischauen – oder die Pride-Demo mit einer Spende unterstützen. Alle Infos dazu gibt es auf dem Instagram-Kanal des CSD Rathenow.
Mehr Interviews im FluxFM-Programm
Das Interview von FluxFM-Moderator Ron Stoklas mit Dennis Driebusch, dem Hauptorganisator des Rathenower CSDs, wurde erstmals am 11. August 2026 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.



















