
Nach dem US-Einreiseverbot: Wie HateAid mit politischem Druck umgeht
Einreiseverbot, politische Vorwürfe und die Angst vor weiteren Maßnahmen: HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg im Gespräch.
19.01.2026
Ausgerechnet an Heiligabend wird eine Nachricht öffentlich, die selbst erfahrene Netzpolitiker*innen überrascht: Die USA verhängen Einreiseverbote gegen mehrere Europäer*innen – darunter die beiden Geschäftsführerinnen der Berliner Organisation HateAid. Eine NGO, die sich seit Jahren für Betroffene von digitaler Gewalt, Hassrede und gezielter Einschüchterung im Netz einsetzt.
Der Vorwurf aus Washington: HateAid soll an der angeblichen Zensur US-amerikanischer Online-Plattformen beteiligt sein. Im Zentrum der Kritik stehen unter anderem europäische Digitalgesetze sowie Auseinandersetzung mit Elon Musks Plattform X.
Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg spricht von einer Welle der Solidarität, die unmittelbar nach Bekanntwerden eingesetzt habe. Zugleich aber auch von wachsender Sorge: Denn neben dem Einreiseverbot seien weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Die Rede ist von möglichen Sperrungen von Kreditkarten, E-Mail-Accounts oder Zugängen zu US-Tech-Diensten.
Für von Hodenberg ist das mehr als Symbolpolitik. Sie wertet die Vorgänge als gezielte Einschüchterung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen, die sich für demokratische Regeln im digitalen Raum einsetzen.
Dabei, so HateAid, stehe der aktuelle Fall stellvertretend für viele Organisationen und Einzelpersonen, die sich gegen Hass, Desinformation und digitale Gewalt engagieren. Der Druck nehme zu – nicht nur im Netz, sondern zunehmend auch auf politischer Ebene.
Aufgeben kommt für HateAid dennoch nicht infrage. Die Organisation will ihre Arbeit fortsetzen: für Betroffene, für den Schutz demokratischer Diskurse und für eine digitale Öffentlichkeit, in der Meinungsfreiheit nicht mit Einschüchterung verwechselt wird.


