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Norwegen, Island, Schweden: Warum die EU plötzlich wieder attraktiv wird

Vom Nein zum Vielleicht: Skandinaviens zögerliche Annäherung an die EU

03.03.2026

Skandinavien galt lange als EU-skeptische Region: Norwegen und Island sind nicht einmal Mitglieder, Dänemark und Schweden haben ihre eigenen Währungen behalten. Doch die Stimmung beginnt sich zu ändern – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die geopolitischen Spannungen zunehmen und wirtschaftliche Risiken die Debatten befeuern.

Norwegen, traditionell ein stolzer Nicht-EU-Staat, diskutiert plötzlich über ein neues Referendum. Tobias Etzold vom Norwegian Institute of International Affairs bestätigt: „Die Unterstützung für einen EU-Beitritt steigt langsam.“ Zwar würde aktuell noch eine Mehrheit dagegen stimmen, doch die neue Chefin der Konservativen treibt die Debatte voran. Island geht bereits einen Schritt weiter: Hier ist für die kommenden Monate ein Referendum geplant, ob das Land die Beitrittsverhandlungen mit der EU wieder aufnehmen soll. Viele Umfragen deuten darauf hin, dass die Isländer*innen ihre Verbindungen zur EU verstärken wollen, so Etzold.

Dass Donald Trump in Reden schon mal Grönland mit Island verwechselt und ein US-Botschafter Island als „52. Bundesstaat“ bezeichnete, hat den EU-Befürwortern dort wohl eher in die Karten gespielt.

In Schweden wird derzeit außerdem über den Euro diskutiert. Die schwedische Krone hat in den letzten Jahren über 20 % gegenüber dem Euro verloren, was in Krisenzeiten gefährlich werden kann. Die Finanzministerin will nach der Wahl im September eine Expertenkommission einsetzen, um zu prüfen, ob Schweden dem Euro beitreten sollte. Noch gibt es keine Mehrheit dafür – doch auch hier holen die Befürworter*innen in Umfragen leicht auf. 

Und selbst in Großbritannien, das die EU 2020 verlassen hat, zeigt sich ein starker Stimmungswandel: 63 % der Briten würden laut aktueller Umfragen für einen Wiedereintritt stimmen – bei den 18- bis 25-Jährigen sind es sogar 86 %.

Bisher sind das vor allem Debatten und Umfragen. Doch wenn sich die Spannungen mit den USA und Russland weiter verschärfen, könnte aus dieser Stimmung politische Realität werden – mit mehr EU-Mitgliedern und möglicherweise sogar neuen Staaten im Euroraum.