Venezuela, Grönland, Ukraine | Militärexperte Nico Lange im Interview, © Lara Jameson
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Venezuela, Grönland, Ukraine | Militärexperte Nico Lange im Interview

Wie brüchig internationale Regeln geworden sind – und was Europa tun müsste

06.01.2026

Die internationale Ordnung steht unter massivem Druck. Mit dem erneuten Machtanspruch der USA unter Donald Trump werden politische Regeln infrage gestellt, die lange als selbstverständlich galten. Die USA haben Venezuela angegriffen, Präsident Nicolás Maduro gekidnappt und in den Vereinigten Staaten wegen sogenanntem Drogenterrorismus angeklagt. Gleichzeitig geht es um venezolanisches Öl – und um die Frage, wie weit Machtpolitik heute wieder geht.

Über diese Entwicklungen haben wir mit dem Militärexperten Nico Lange gesprochen. Er ist Senior Fellow für die Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz und kritisiert vor allem die Zurückhaltung Europas. Niemand traue sich, Trump offen zu widersprechen – dabei wäre genau das jetzt nötig.

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Für Nico Lange ist ein geschlossenes Auftreten Europas entscheidend. Nicht nur mit Blick auf Venezuela, sondern auch auf mögliche nächste Konfliktlinien. Eine davon: Grönland. Die Trump-Regierung hat erneut Interesse an der strategisch wichtigen Insel signalisiert. Ein militärisches Vorgehen hält Lange zwar für unwahrscheinlich – die politische Sprengkraft sei trotzdem enorm.

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Damit verbunden ist eine grundsätzliche Frage: Was gilt eigentlich noch im internationalen Recht? Ist es rechtens, den Präsidenten eines anderen Landes vor ein US-Gericht zu stellen? Auch hier sieht Nico Lange weniger juristische Klarheit als politische Machtdemonstration.

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Um in dieser neuen Weltordnung zu bestehen, fordert Lange ein Umdenken. Europa müsse strategischer werden, neue Partnerschaften eingehen und sich unabhängiger aufstellen – bei Rüstung, Rohstoffen und Handel.

Diese Fragen stellen sich auch mit Blick auf einen der größten Konflikte unserer Zeit: den Krieg in der Ukraine. 2026 jährt sich der russische Angriff zum vierten Mal. Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht, doch erstmals gibt es ernsthafte diplomatische Bemühungen aller beteiligten Seiten.

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Während die Ukraine bereits Zugeständnisse gemacht hat – etwa den Verzicht auf einen NATO-Beitritt und die Bereitschaft, den Konflikt entlang der aktuellen Frontlinie einzufrieren – hält Russland bislang an seinen Maximalforderungen fest. Laut Nico Lange könnte sich das im Laufe des Jahres ändern. Der Druck auf Putin wächst.

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Ein Hindernis bleibt jedoch Europas fehlende Geschlossenheit. Noch immer gibt es keine gemeinsame Strategie. Sollte Viktor Orbán im Frühling abgewählt werden, könnte Russland seinen wichtigsten Verbündeten innerhalb der EU verlieren – und Europa möglicherweise wieder geeinter auftreten.

Trotz aller Unsicherheiten bleibt Nico Lange vorsichtig optimistisch: Echte Friedensverhandlungen in diesem Jahr hält er für möglich. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass Europa beginnt, als politischer Akteur ernsthaft mitzuspielen – und nicht länger nur zuzuschauen.