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Kohle, Stahl und Clubnächte: Die Geschichte des RAW | Berliner Schnipsel

Das RAW-Gelände: Vom Lokschuppen zum Kultur-Hotspot

18.09.2026 Matti Geyer

Heute kommen die meisten Menschen wegen Konzerten, Street Art, Flohmärkten oder Clubnächten aufs RAW-Gelände in Friedrichshain. Dabei begann die Geschichte des Areals ganz anders.

1867 eröffnet an der heutigen Revaler Straße die „Königlich-Preußische Eisenbahnwerkstatt Berlin II“. Hier werden Dampflokomotiven und Eisenbahnwagen repariert. Schon bald arbeiten rund 1.200 Menschen auf dem Gelände. Nach dem Ende der Monarchie wird daraus das Reichsbahnausbesserungswerk – kurz RAW.

Die Arbeit ist körperlich anstrengend. Friedrichshain ist geprägt von Kohle, Öl und heißem Metall. Während der NS-Zeit müssen rund 2.000 Zwangsarbeiter auf dem Gelände arbeiten. Im Zweiten Weltkrieg entsteht ein Luftschutzbunker für etwa 400 Menschen. Wegen seiner markanten Form wird er später als „Kegel“ bekannt. Heute dient das Bauwerk als Kletterturm.

1944 werden große Teile des Werks bei Bombenangriffen zerstört. Die DDR baut die Anlagen jedoch wieder auf. 1967, zum hundertjährigen Bestehen, erhält das Werk den Namen „RAW Franz Stenzer“, benannt nach dem kommunistischen Eisenbahner und Reichstagsabgeordneten.

Zu DDR-Zeiten gleicht das Gelände einer eigenen kleinen Stadt. Hinter den Mauern wird geschweißt, gehämmert und repariert – oft rund um die Uhr. Doch nach der Wiedervereinigung verliert das Werk seine Bedeutung. Die Deutsche Bahn verfügt plötzlich über zu viele Ausbesserungswerke. 1991 fällt die Entscheidung zur Schließung.

Zurück bleiben riesige Hallen, verlassene Gleise und viel Freiraum. Ende der 1990er-Jahre entdecken Künstlerinnen, Künstler und alternative Projekte das Gelände für sich. Wo einst Lokomotiven instand gesetzt werden, entstehen Ateliers, Bühnen, Werkstätten und Veranstaltungsorte. Der Verein RAW-Tempel verfolgt die Idee eines selbstverwalteten Kulturstandorts mitten in Berlin.

Heute gehört das RAW-Gelände zu den bekanntesten Kultur- und Ausgehorten der Stadt. Gleichzeitig wird seit Jahren über seine Zukunft diskutiert. Mit den jüngsten Einigungen zwischen Eigentümern, Politik und Kulturschaffenden scheint der Fortbestand wichtiger Kulturorte zunächst gesichert. Die Frage, wie sich Clubkultur, Kulturangebote und neue Wohnungen langfristig miteinander vereinbaren lassen, wird Friedrichshain aber wohl noch lange beschäftigen.