
Zurück in die Zukunft: Berlins Bauakademie wird wieder aufgebaut
Die Bauakademie als Symbol der Bauwende – zwischen Backsteinfassade und Klimaschutz.
11.02.2026 Matti Geyer
Die Bauakademie in Berlin kehrt zurück – und das gleich doppelt: als Virtual-Reality-Erlebnis und als reales Bauprojekt.
Gegenüber dem Auswärtigen Amt, im sogenannten Roten Saal, können Besucher*innen ab sofort per VR-Brille in die Vergangenheit – und in die Zukunft – reisen. Zu sehen ist Karl Friedrich Schinkels legendäre Bauakademie: ein kubischer Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert, der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1962 in der DDR endgültig abgerissen wurde.
Warum war die Bauakademie so besonders?
Als Schinkel die Bauakademie 1836 fertigstellte, war sie ihrer Zeit weit voraus. Der klare, fast industrielle Backsteinbau verzichtete auf überladene Ornamentik und setzte stattdessen auf Funktionalität, Rasterfassade und serielle Elemente. In der Architekturgeschichte gilt sie als eines der ersten wirklich modernen Gebäude – ein Vorläufer dessen, was später Bauhaus und Neue Sachlichkeit prägen sollten.
Im Inneren war die Bauakademie nicht nur Verwaltungsgebäude, sondern auch Ausbildungsort – gewissermaßen eine frühe Architekturschule im Herzen Berlins, direkt gegenüber dem heutigen Humboldt Forum.
Der Wiederaufbau: Symbol der Bauwende
Vor rund zehn Jahren beschloss der Bundestag den Wiederaufbau. Die neue Bauakademie soll mehr sein als eine historische Rekonstruktion: Sie wird Sitz der Bundesstiftung Bauakademie und versteht sich als Schaufenster für nachhaltiges und klimagerechtes Bauen.
Denn rund 40 Prozent der CO₂-Emissionen entstehen im Bau- und Gebäudesektor. Die neue Bauakademie will zeigen, wie ressourcenschonendes Bauen in der Praxis funktionieren kann – und das nicht nur für Fachleute. Geplant sind Programme für Kinder und Jugendliche, Ausstellungen, Diskussionsformate und sogar ein öffentlich zugängliches Café.
Rekonstruktion oder Neuinterpretation?
Jahrelang wurde kontrovers diskutiert, wie originalgetreu der Neubau sein soll. Zwischen radikaler Neuinterpretation und detailgenauer Rekonstruktion lagen viele Entwürfe. Inzwischen steht fest: Die Fassade wird sich eng am historischen Schinkel-Bau orientieren – ohne zwangsläufig jedes Detail zu kopieren.
Bis zum Baustart informiert die Stiftung mit Veranstaltungen zum nachhaltigen Bauen. Und wer schon jetzt wissen will, wie die Bauakademie einst aussah – und künftig aussehen könnte –, kann sie im Roten Saal virtuell betreten.



















