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90 Grad Zukunft: Wie Berlin den Fön erfand | Berliner Schnipsel

Vom Rheuma-Heilmittel zum Symbol der 1920er Jahre

06.02.2026 Matti Geyer

Berlin um 1900: Die Stadt vibriert. Elektrisches Licht flackert in den Straßen, Straßenbahnen rattern durch die Viertel, Fabriken wachsen in den Himmel. Strom ist nicht nur Technik – er ist das Versprechen einer neuen Zeit.

Mitten in diesem Zukunftsrausch entsteht bei der AEG eine merkwürdige Erfindung: die „Heißluftdusche“. Zwei Kilogramm schwer, bis zu 90 Grad heiß, laut Werbung geeignet zum Haaretrocknen, zum Vorwärmen von Bettwäsche, zum Trocknen von Socken – und sogar gegen Rheuma, Muskelverspannungen und Furunkel.

Fast zeitgleich meldet die Berliner Firma Sanitas 1908 ein Patent an: den „Foen“, benannt nach dem warmen, trockenen Alpenwind. Doch erst nach dem Ersten Weltkrieg kommt der Durchbruch. Die 1920er Jahre verlangen Tempo. Bubikopf-Frisuren, arbeitende Frauen, ein neuer Alltag – niemand will mehr stundenlang auf nasses Haar warten. Der Fön passt perfekt in diese moderne Welt. Und dank Kunststoff wird er endlich leichter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Fön zum Massenprodukt. AEG übernimmt Sanitas – und gleich auch die Namensrechte. Seitdem steckt in fast jedem Badezimmer ein kleines Stück Berliner Industriegeschichte.

Diese Geschichte erzählt nicht nur von einem Gerät, sondern von Strom, Stil und dem Wunsch nach Fortschritt – made in Berlin.