FluxFM Berliner Schnipsel
Stadtführer Matti Geyer bringt Berlins Vergangenheit ins Hier und Jetzt.

Die Frau, die Menschen wieder auf die Beine stellte
30.01.2026 Matti Geyer
Berlin, Anfang des 19. Jahrhunderts.
Eine Zeit, in der Frauen schweigen sollen. Und eine Frau, die das nicht tut.
Caroline Eichler wächst gut gebildet auf – doch ihre Möglichkeiten bleiben begrenzt. Sie arbeitet als Kindermädchen, später als Krankenschwester und Bandagistin. Nach den Befreiungskriegen sieht sie täglich Männer, die ohne Arme oder Beine aus dem Leben zurückkehren. Prothesen gibt es – aber sie sind schwer, steif und kaum benutzbar.
Caroline will das ändern. Mit gerade einmal 20 Jahren beginnt sie zu tüfteln. Vier Jahre lang, nachts, nach der Arbeit, mit einfachen Materialien. 1832 präsentiert sie eine Beinprothese, die alles verändert: leicht, beweglich, mit einem mechanischen Kniegelenk, das sich beim Gehen selbst beugt und durch Spiralfedern wieder streckt – nach dem Vorbild von Muskeln und Sehnen. Nur gut zwei Kilo schwer. Menschen können damit gehen, Treppen steigen, ihr Leben zurückgewinnen.
Caroline Eichler erhält als erste Frau in Preußen ein Patent.
Sie wird Unternehmerin, eröffnet eine Werkstatt Unter den Linden. Ärzte empfehlen sie weiter, die Charité nutzt ihre Prothesen. Doch Erfolg schützt sie nicht vor Anfeindungen. Sie gilt als „unweiblich“. Als unbequem.
1836 folgt ihre nächste Revolution: eine künstliche Hand aus Neusilber – nur 125 Gramm leicht. Bewegliche Finger, ein steuerbarer Daumen, Schreiben, Nähen, Musizieren, Greifen. Die erste wirklich brauchbare Handprothese der Geschichte.
Caroline Eichler stirbt mit nur 35 Jahren – ermordet von ihrem geschiedenen Mann. Ihr Name gerät in Vergessenheit.
Bis heute erinnert in Berlin kaum etwas an sie.
Zeit, das zu ändern.