FluxFM Berliner Schnipsel
Stadtführer Matti Geyer bringt Berlins Vergangenheit ins Hier und Jetzt.

Zwischen Wannsee-Garten, Kunststreit und Nationalsozialismus: Das Leben eines großen Malers.
27.02.2026 Matti Geyer
Er war einer der berühmtesten deutschen Maler – und dabei eine echte Berliner Schnauze: Max Liebermann.
Als Schüler gilt er als unkonzentriert, ständig zeichnet er im Unterricht. Sein Vater wünscht sich eine solide Karriere, am liebsten als Chemiker. Doch Liebermann fliegt wegen „Studienunfleiß“ von der Universität. Statt Reagenzglas entscheidet er sich für die Malerei – und wird später zum Wegbereiter des Impressionismus in Deutschland.
Ende des 19. Jahrhunderts gerät die Berliner Kunstszene in Aufruhr. Werke von Edvard Munch sorgen für einen Skandal, konservative Künstler schließen die Ausstellung. Die Reaktion: Die Gründung der Berliner Secession. An ihrer Spitze steht Max Liebermann. Er wird zum Wortführer der Avantgarde – und macht Berlin zu einem Zentrum moderner Kunst.
Doch die Geschichte wiederholt sich: Als die Expressionisten noch radikaler auftreten, gelten sie vielen Impressionisten als zu extrem. Die Secession zerbricht. Liebermann bleibt seiner Stilrichtung treu.
Am Wannsee schafft er sich mit der heutigen Liebermann-Villa am Wannsee einen privaten Rückzugsort. Sein Garten wird zum wichtigsten Motiv – gemalt in immer neuen Perspektiven, im wechselnden Licht.
1920 steigt er zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste auf. Doch 1933 muss er als Jude zurücktreten. Am 30. Januar steht der 85-Jährige am Fenster seines Palais am Pariser Platz und sieht den Fackelzug der Nationalsozialisten durchs Brandenburger Tor ziehen. Sein bitterer Kommentar wird legendär:
„Ick kann ja nich so viel fressen, wie ick kotzen möchte.“
Zwei Jahre später stirbt er.
Die Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ im Museum Barberini zeigt über 100 Werke und beleuchtet Liebermanns Rolle als Motor der Moderne. Sie läuft bis zum 7. Juni, Tickets kosten regulär 16 Euro.
Und wer tiefer eintauchen möchte: Ein Besuch der Liebermann-Villa am Wannsee lohnt sich immer.