FluxFM Berliner Schnipsel
Stadtführer Matti Geyer bringt Berlins Vergangenheit ins Hier und Jetzt.

Vom geheimen Grenzort zur weltberühmten „Bridge of Spies“
11.02.2026 Matti Geyer
Heute vor 40 Jahren steht ein Ort im Rampenlicht, der sonst fast unsichtbar war.
Die Glienicker Brücke im Südwesten Berlins – unscheinbar, ruhig, mitten im Nebel über der Havel – wird im Kalten Krieg zur perfekten Bühne für geheime Agententausche zwischen Ost und West.
Hier treffen der amerikanische und der sowjetische Sektor direkt aufeinander. Kein Gedränge, keine Schaulustigen, keine Kameras. Nur Stille. 1962 wird an einem eisigen Wintermorgen der sowjetische Topspion Rudolf Abel gegen den amerikanischen U-2-Piloten Gary Powers getauscht. Beide gehen gleichzeitig los. Misstrauen ist allgegenwärtig – sogar Bekannte stehen bereit, um Doppelgänger auszuschließen.
Über zwanzig Jahre passiert danach nichts. Die Brücke rostet, die Geschichte schläft.
Bis 1985 plötzlich alles anders ist: Busse, Limousinen, Kamerateams. 23 westliche Agenten gegen vier aus dem Osten. Der Kalte Krieg ist auf einmal öffentlich – und die Glienicker Brücke weltberühmt.
Ein Jahr später folgt der vielleicht absurdeste Moment: Der sowjetische Dissident Anatoli Schtscharanski wird ohne Gürtel, mit viel zu weiter Hose über die Brücke geschickt – bloß kein heroischer Gang in die Freiheit. Er hält die Hose fest und geht trotzdem weiter. Später wird er israelischer Minister.
Bis heute trägt die Brücke diese Geschichte in sich: zweifarbig gestrichen, sichtbar geteilt.
Eine Linie im Asphalt ersetzt die Grenze – aber das Echo des Kalten Krieges bleibt.
Erzählt von FluxFM-Redakteur und Stadtführer Matti Geyer.