
"Babystar" - Die wunderbar manipulative Welt der Familien-Influencer | Breitbild Filmkritik
Filmemacher Joscha Bongard blickt in seinem Debütfilm auf eine Social-Media-Bubble und ihre Auswirkungen auf die Menschen
23.04.2026 Ron Stoklas
Sei es der gemeinsame Urlaub im Paradies, die gemeinsame Podcast-Session über den Familienalltag oder doch der Blick hinter die Kulissen: Familien-Influencer lassen die ganze Welt an ihrem Leben teilhaben – oftmals perfekt monetarisiert. Jeder Post, jedes Videos unterstützt das Bild des erfolgreichen, gar perfekten Familienlebens. Über die potenzielle Ausnutzung involvierter Familienmitglieder geht es selten. Auf die Abgründe dieser speziellen Social-Media-Bubble blickt ab dem 23.04.2026 der Film Babystar von Filmemacher Joscha Bongard. Zum Kinostart liefert Ron Stoklas die FluxFM-Kritik.
FluxFM-Kritik: Die manipulative Welt der Familien-Influencer
Ein Leben als erfolgreiche Influencer*in - Millionen Menschen träumen davon. Für die 16-jährige Luca ist das seit frühester Kindheit Realität. Als Teil der Social Media Strategie ihrer Eltern, zweier erfolgreicher Familien-Influencer, wurden bereits ihre Ultraschallaufnahmen geteilt. Zwar wird ihr als Teenie Entscheidungsfreiheit vorgegaukelt, die Erwartungshaltung ist aber klar: Luca macht mit! Sei es bei Posts, Videos oder dem intimen Mutter-Tochter-Podcast.
Stella: "Deine Emotionen sind deine Stärke. Und dich verwundbar machen ist deine Superkraft. Kannst es dir ja morgen überlegen."
Chris: "Du weißt, dass sich deine Mutter freut, wenn du das machst. Außerdem bezahlt sich dein Bett doch auch nicht von alleine…"
- Szene aus Babystar
Babystar präsentiert ein Leben zwischen gespielter Familienliebe und dem elterlichen Druck aus jeder Situation, noch mehr Klicks, Likes und Profit herauszuholen. Für Regisseur Joscha Bongard ging es durch die Arbeit an Babystar in eine bis dato unbekannte Social-Media-Bubble.
"Meine Co-Autorin Nicole Rüthers und ich haben den Deep Dive gemacht und unsere Algorithmen für immer zerstört. Das gute ist, dass man natürlich erst einmal viel über Social Media finden kann. Und dann haben wir aber auch mit ein paar Influencer*innen gesprochen. Die halten sich auch sehr bedeckt. Ich glaube auch ein bisschen aus Charme und Backlashs." - Joscha Bongard im Interview
Regisseur Joscha Bongard: "Müssen junge Menschen schützen"

All das kombiniert Bongard zum Bild einer manipulativen, narzisstischen Familie. Statt Geborgenheit, Nähe und Sicherheit zu erhalten, ist Luca nur das Mittel zum Zweck ihrer Eltern.
In einer Zeit, in der vor allem darüber diskutiert wird, ob und wie der Zugang für Kinder und Jugendliche zur Social-Media-Welt begrenzt werden muss, gibt es für Filmemacher Bongard keine einfache Lösung. Wenn es um den Schutz von Kindern geht, sieht er eine generationsübergreifende gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
“Wenn es gerade darum geht verbieten wir Dinge oder verbieten wir jungen Menschen auf Social Media zu sein, dann würde ich sagen: Wir müssen junge Menschen schützen, aber wir müssen junge Menschen vor allem weiterbilden und Möglichkeiten geben damit umzugehen. Und vor allem müssen wir auch an die 40+ Menschen ran. Die sind diejenigen, die die größten Defizite haben, meiner Meinung nach.” - Joscha Bongard im Interview
Die Scheinwelt der Social-Media-Timeline trifft auf überspitzten Influencer-Horror. Babystar hinterfragt nicht nur, was Personen bereit sind zu machen, um das eigene Leben businessgerecht auszuschlachten. Der Film beleuchtet auch die Abgründe hinter der Influencer-Fassade und wie diese sich auf die Menschen auswirken.
Mehr Kino im FluxFM-Programm
Das Breitbild zu Babystar wurde erstmals am 23.04.2026 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.


















