Bilderbuch - ∞+1 | Album der Woche
Album der Woche: "∞+1" von Bilderbuch

Bilderbuch - ∞+1 | Album der Woche

Eine Seilschaft, der man an den Lippen hängt

12.10.2026 Celina Riedl

Die österreichischen Indie-Darlings erfinden sich mal wieder neu – und bleiben sich dabei doch zu 100 Prozent treu. Auf ihrem neunten Studioalbum „Unendlich Plus Eins“ jonglieren Bilderbuch mit kratzigen Vocodern, der Sehnsucht nach echter Nähe und dem reizüberfluteten Wahnsinn unserer Zeit.

Wer Bilderbuch kennt, weiß: Hier ist (fast) nichts dem Zufall überlassen. Der Titel Unendlich Plus Eins ist ein cleveres Zahlenspiel. Die liegende Acht der Unendlichkeit plus Eins macht – genau: Neun. Dass dieses neunte Studioalbum ausgerechnet an einem 9. Oktober (einem echten „Magic Date“, wie Frontmann Maurice Ernst im FluxFM-Interview verriet) das Licht der Welt erblickt hat, passt perfekt ins Konzept. Oder, um es mit Maurice zu sagen: „Ich liebe es, wenn Albumtitel mehr Raum für Interpretationen geben.“

Musikalisch liefern Bilderbuch genau den Sound, den wir in einer „overstimulated“ Welt brauchen. Der Opener „Finstere Erleuchtung“ zieht uns direkt mit dreckigen, bewusst unperfekten Vocoder-Sounds in den Bann – Daft Punk meets George Clinton, aber mit dem typischen Bilderbuch-Grind.

Rezension I

Bilderbuch - ∞+1

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Inhaltlich wird es tiefgründig. In „Was in dieser Welt“ singt Maurice über die allgegenwärtige Reizüberflutung und die Sehnsucht nach echter, ungeschönter Nähe. Und mit „Baby Junkie“ liefert die Band eine kurze, fast schon an Bruce Springsteen erinnernde Ballade ab. Der Track, der an nur einem Nachmittag spontan zusammengejammt wurde, verhandelt mal eben Themen wie „Nepo-Babys“ und die zerstörerische Kraft von Drogen.

„Nichts zu sehen, aber in einer Seilschaft zu sein (...) und blind zu vertrauen, dass das Seil dich führt.“ Maurice Ernst

Dieses Vertrauen gilt auch für den frischen Wind in der Band: Nach dem Weggang von Gitarrist Mike hat Neu-Gitarristin Uche die Rolle übernommen – nicht als bloße Kopie, sondern mit einer ganz eigenen Interpretation des Bilderbuch-Spirits.

Ein kleines Extra-Schmankerl für uns als Radiosender: Bilderbuch haben sich bewusst dafür entschieden, neue Songs zuerst dem Radio zur Verfügung zu stellen, bevor sie im großen Streaming-Ozean landen. Ein Statement gegen die For-Free-Mentalität der Tech-Giganten und für die echte, menschliche Kuration in Musikredaktionen. Wir sagen Danke, ziehen den Hut (oder den Kübel) und rotieren diese Platte mit größter Freude.

Auch auf ihrem achten Studioalbum geben sich MiA. lieber ruhelosen Spinnereien hin, als sich von Zweifeln ausbremsen zu lassen. Lieber Übermut als Überforderung und dazwischen die ganz großen Gefühlen. Und sie beweisen einmal mehr, dass es nicht immer eine Neuerfindung braucht, um sich weiterzuentwickeln.

Hört hier das ganze Interview mit der Band:

Im Radio: 12. Oktober - 18. Oktober 2026