The Strokes - Reality Awaits | Album der Woche
Album der Woche: "Reality Awaits" von The Strokes

The Strokes - Reality Awaits | Album der Woche

Die Nullerjahre sind vorbei

27.07.2026 Micha Gehrig

25 Jahre nach ihrem legendären Debüt entziehen sich The Strokes endgültig allen Erwartungen. Auf Reality Awaits tauschen die New Yorker Indie-Darlinge krachende Gitarren gegen Synthesizer, Autotune und jede Menge Experimentierfreude.

Es gibt Bands, die ihr Leben lang versuchen, ihr eigenes Meisterwerk zu kopieren. Und es gibt The Strokes. Ein Vierteljahrhundert ist es jetzt her, dass die Mannen um Julian Casablancas mit Is This It den Indie-Rock quasi im Alleingang aus der Garage zerrten und wieder cool machten. Der Hype war gigantisch, der Druck danach umso größer. Mit ihrem siebten Studioalbum Reality Awaits, das vergangenen Freitag erschienen ist, machen The Strokes nun unmissverständlich klar: Die Nullerjahre sind vorbei – und das ist auch gut so.

Rezension

The Strokes - Reality Awaits

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Für Reality Awaits hat sich die Band mit Produzenten-Legende Rick Rubin nach Costa Rica abgesetzt. Wer gehofft hat, dass dort unter Palmen ein entspanntes Indie-Nostalgie-Fest entsteht, wird direkt beim ersten Hören eines Besseren belehrt. The Strokes nehmen spürbar das Tempo raus. Das ikonische, treibende Gitarrenspiel von Albert Hammond Jr. und Nick Valensi tritt immer wieder in den Hintergrund, stattdessen dominieren flächige, teils wabernde Synthesizer das Klangbild.

Die wohl größte Hürde für alteingesessene Fans liefert allerdings der Frontmann selbst. Julian Casablancas nutzt auf Reality Awaits exzessiv Autotune. Seine Vocals sind futuristisch verfremdet, er verliert sich in verspulten, fast schon bizarren Bandwurmmelodien, die ständig neue Wendungen nehmen. Der düstere, avantgardistische Einfluss seines Nebenprojekts The Voidz ist hier präsenter denn je.

Das macht Reality Awaits definitiv nicht zu einem Album, das man einfach so weghört. Streckenweise wirkt die Platte zerrissen und unstrukturiert, doch wer ihr Zeit gibt, wird belohnt. Die Songs wachsen mit jedem Durchlauf und entfalten eine unglaubliche Sogwirkung.

Flashback

25 Jahre "Is This It"

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Auch textlich sind die New Yorker erwachsen geworden. Die Zeiten, in denen es um hedonistische, verkaterte Partynächte in Manhattan ging, sind vorbei. Stattdessen teilt Casablancas gegen gesellschaftliche Konformität und starre Hierarchien aus – und das erstaunlicherweise oft verpackt in richtig großartig arrangierten Balladen.

Reality Awaits ist eine musikalische Vollbremsung für alle Nostalgiker, aber genau deshalb so spannend. The Strokes zeigen sich als gealterte, enorm selbstbewusste Band, die niemandem mehr beweisen muss, dass sie den Rock ’n’ Roll retten kann. Sie spielen heute einfach genau das, worauf sie Bock haben.

Im Radio: 27. Juli - 2. August 2026