
Bonobo - Distance In Static | Album der Woche
Voll und ganz Bonobo
14.09.2026 Micha Gehrig
Mit seinem achten Studioalbum Distance In Static feiert Simon Green alias Bonobo sein 25-jähriges Musiker-Jubiläum.
Das Werk vereint seine beiden musikalischen Herzen: den euphorischen Club-DJ und den introvertierten Komponisten. Gleichzeitig schlägt es eine Brücke zur Gegenwart, in der eine neue Generation die 90er-Sounds seiner Anfangszeit wiederentdeckt.
Rezension I
Bonobo - Distance In Static
Die Entstehung glich einer Weltreise. Erste rohe Beats und Club-Tracks wie die Vorab-Single „Me And You“ entstanden über zwei Jahre hinweg auf Tour zwischen Metropolen wie Los Angeles, Tokio und London. Den finalen Feinschliff – und die nötige Ruhe für die organischen Momente der Platte – fand Green jedoch in völliger Isolation: in einer einsamen Waldhütte auf Neil Youngs legendärer Broken Arrow Ranch in Kalifornien.
Musikalisch ist das Album enorm vielschichtig. Green kombiniert detailverliebte Elektronik mit iranischen Samples, der Zither Guzheng und Gesang auf Englisch, Urdu und Japanisch. Unter den internationalen Gast-Features (u.a. Joy Crookes, Nilüfer Yanya) ragen zwei besonders heraus: Das emotionale Herzstück „Fire on the Water“ mit Arooj Aftab entstand aus einer spontanen, magischen Studio-Improvisation. Der Track „Talk to Me“ mit Nicole Miglis begann sogar als kurze iPhone-Aufnahme im Backstage des Wiener Gasometers. Ein weiterer Schlüsselmoment ist der euphorische House-Track „Uncasually“ – ein tanzbarer Tribut an eine kürzlich verstorbene Freundin und leidenschaftliche Raverin.
Rezension II
Bonobo - Distance In Static
Visuell erfindet sich Bonobo mit faszinierender Mikroskop-Fotografie neu, und auch die Live-Shows sollen dank eines architektonischen Bühnendesigns neue Wege gehen. Dennoch markiert Distance In Static womöglich einen Wendepunkt. Green deutete an, dass dies sein letztes Album im klassischen Format sein könnte. Nach 25 Jahren will er das zermürbende Hamsterrad aus Produktion, Welttournee und Burnout-Erholung verlassen. Sein neues Ziel: Druck ablassen und Musik nur noch nach Gefühl veröffentlichen. Sein Plan für die Zukunft lautet schlicht, keinen Plan mehr zu haben.
Im Radio: 14. September - 20. September 2026



















