FluxFM Berliner Schnipsel
Stadtführer Matti Geyer bringt Berlins Vergangenheit ins Hier und Jetzt.

16 Millionen Besucher und ein Wellenbad
28.09.2026 Matti Geyer
Das ehemalige Sport- und Erholungszentrum, kurz SEZ, gehört zu den bekanntesten DDR-Bauten Berlins. Eigentlich sollte das Gelände vollständig abgerissen werden, um Platz für Wohnungen, eine Schule und neue Sportanlagen zu schaffen. Doch eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich hunderte Wohnungen auch ohne Totalabriss realisieren lassen. Damit ist die Zukunft des Gebäudes wieder offen.
Als das SEZ am 20. März 1981 eröffnet wird, ist es eines der spektakulärsten Freizeitprojekte der DDR. Vor Tausenden Schaulustigen drückt Erich Honecker persönlich den Startknopf für das Wellenbad. Das Zentrum an der damaligen Leninallee gilt als weltweit einzigartig. Unter einem Dach vereint es Schwimmhallen, künstliche Wellen, Wasserfälle, Saunen, Bowlingbahnen, Fitnessräume, Restaurants, Eislaufhallen und einen Kindersportgarten.
Besonders das Wellenbad wird zur Attraktion. Alle 30 Minuten erzeugt ein ausgeklügeltes Luftdrucksystem künstliche Wellen. Die Warteschlangen vor dem Eingang werden legendär. In den ersten fünf Jahren besuchen rund 16 Millionen Menschen das SEZ. An Spitzentagen kommen bis zu 10.000 Gäste. Veranstaltungen wie Mitternachtsschwimmen, Polardisko oder Mitternachtsbowling genießen Kultstatus.
Auch technisch ist das Gebäude seiner Zeit voraus. Die Abwärme der Eisanlage heizt die Schwimmbecken, das Duschwasser wird zur Wärmerückgewinnung genutzt. Im Fernsehen turnen Millionen DDR-Bürger bei der Sendung „Medizin nach Noten“ mit, die regelmäßig im SEZ aufgezeichnet wird.
Nach der Wiedervereinigung beginnt jedoch der Niedergang. Die Betriebskosten sind hoch, Besucherzahlen sinken und immer mehr Bereiche schließen. Im Dezember 2002 endet die Geschichte des Freizeitparadieses zunächst endgültig. Das Gelände wird später für einen symbolischen Euro verkauft. Die versprochene Wiederbelebung des Wellenbads bleibt aus.
Stattdessen dienen die Hallen zeitweise als Veranstaltungsort für Ausstellungen, Festivals und Partys. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten fällt das Areal 2024 wieder an das Land Berlin zurück. Seitdem wird intensiv darüber diskutiert, ob das einstige DDR-Vorzeigeprojekt erhalten oder abgerissen werden soll. Die jüngsten Pläne zeigen nun erstmals einen möglichen Mittelweg zwischen Wohnungsbau und Bestandserhalt.