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Gizem Çelik Pressebild

"Eigentlich geht es gar nicht um die Stars" | Interview mit Gizem Çelik

More Than Gossip heißt ihr Kanal und das dazugehörige Buch. Jetzt geht es damit auf "MORE THAN A BOOK TOUR"

28.09.2026 Katia Berg


Wer glaubt, dass Klatsch und Tratsch nur seichte Unterhaltung für die Kaffeepause sind, verpasst die eigentliche Debatte. Autorin, Content Creatorin und Popkultur-Analystin Gizem Çelik zeigt, warum das, worüber Millionen Menschen täglich auf TikTok, Reddit und X sprechen, tiefgreifende politische Wirkungen entfaltet – lange bevor die erste Wahlurne überhaupt aufgestellt wird.

Bereits in ihrem Vorwort schlägt Gizem Çelik die Brücke von antiken Tragödien zu modernen Schlagzeilen. Von Braunschweig bis Seoul zeigt sich, dass Promi-Geschichten alte Mythen in eine neue Sprache übersetzen. Wer Phänomene rund um Stars wie Taylor Swift oder die Dynamiken großer Fandoms als reinen Trash abtut, übersieht die immense prägende Kraft, die diese Formate auf Millionen von Menschen ausüben.

Popkultur ist kein seichter Trash, sondern der zentrale Ort, an dem gesellschaftliche Werte, Machtverhältnisse und politische Strömungen verhandelt werden. In ihrem Buch „More Than Gossip“ zeigt Gizem Çelik, dass Promi-Geschichten alte Mythen neu übersetzen. Die Politisierung vieler Jugendlicher beginnt heute nicht im Klassenzimmer, sondern auf TikTok oder Wattpad. Während früher Sender wie MTV diktierten, was auf den Bildschirm kam, beweisen moderne Fandoms wie die BTS-Army enorme Organisationskraft. Allerdings steuern Algorithmen den Konsum heute im Sekundentakt und belohnen vor allem Wut und Schwarz-Weiß-Denken, was das gesellschaftliche Streiten erschwert.

Macht, Kaperung und die zwei Gesichter des Gossips

Gleichzeitig bedient sich die Industrie seit jeher an Schwarzen sowie queeren Subkulturen, macht deren Urheberinnen jedoch oft unsichtbar oder degradiert Feminismus zu einem gefälligen Lifestyle-Produkt. Dabei erfüllt Gossip eine doppelte Funktion: Einerseits dient der inoffizielle Austausch als essenzielles Frühwarnsystem bei Machtmissbrauch, wenn Institutionen versagen. Andererseits schlägt er im Netz schnell in unbarmherziges Aburteilen um, sobald Frauen von gesellschaftlichen Erwartungen oder Rollenbildern abweichen. Wie gefährlich diese Dynamiken sind, zeigt auch die „Manosphere“ um Akteure wie Andrew Tate, die die reale Einsamkeit junger Männer in ein profitables Geschäftsmodell verwandelt. Popkultur zu analysieren bedeutet daher, die Spielregeln unseres eigenen Zusammenlebens zu hinterfragen.

Mit den 16 Essays "More Than Gossip" geht es im Oktober auf Lesetour nach Berlin, Hamburg und München. Im kompletten Interview mit Musikredakteur Daniel Meinel erfahrt ihr, warum ihr dazu unbedingt euren Fan-Merch anziehen solltet, was euch an dem Abend auf der Bühne erwartet und warum auch ihr selbst aktiver Teil des Abends sein sollt.

Gästelistenplätze für den 12. Oktober im Festsaal Peter Edel verlosen wir hier.