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Léa Seydoux als Lucy in "Gentle Monster" Frédéric Batier / Film AG / Alamode Film

"Gentle Monster" - Wenn Liebe blind macht egal wie furchtbar die Taten sind | Breitbild

Filmemacherin Marie Kreutzer hinterfragt in "Gentle Monster", wie gut wie die Menschen wirklich kennen, die wir lieben

17.09.2026 Ron Stoklas

Wie gut kennen wir die Menschen, die wir lieben? Und wie viel wollen wir vielleicht gar nicht wissen? Der Film Gentle Monster geht diesen Fragen nach. Regisseurin Marie Kreutzer macht daraus keinen klassischen Thriller, sondern einen beklemmenden Film über Menschen und ihre blinden Flecken. Zum Kinostart am 17.09.2026 liefert FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas die Kritik.

FluxFM-Kritik: Pädokriminalität als blinder Fleck einer Liebe

Lucy: "Philip, was ist los?"
Elsa: "Frau weiß nehme ich an."
Lucy: "Is there a Problem?"
Elsa: "Elsa Kühn, Kriminalpolizei München. Wir ermitteln ging er Mann."
- Szene im Film Gentle Monster

Für Konzertpianistin Lucy bricht eine Welt zusammen. Gerade erst ist die Familie nach dem Burnout ihres Partners in eine kleine Landvilla gezogen. Jetzt folgt der Knall mit erschütternden Vorwürfen: Philip wird verdächtigt, Kinderpornografie zu besitzen.

Lucy: "Wie geht es weiter?"
Elsa: "Mit der Auswertung der Datenträger, das kann Monate dauern. Fälle, in denen wir davon ausgehen müssen, dass aktuell Übergriffe stattfinden, werden vorgereiht und schneller bearbeitet. Um die Betroffenen zu finden und in Sicherheit zu bringen. Aber im Falle ihres Mannes ist die Sachlage mutmaßlich eine andere. Deswegen hat die Auswertung keine Priorität."
Lucy: "Are you saying it's not that bad?"
Elsa: "Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Für eine Hausdurchsuchung hat’s gereicht."
- Szene im Film Gentle Monster

Marie Kreutzer über Entstehungsgeschichte von "Gentle Monster"

Es ist ein hartes Thema, das Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer in Gentle Monster aufgreift. Die Idee zur Geschichte kam ihr dabei, als sie im Sommer 2020 bei einem Freibadbesuch einen Artikel über einen Fall von Pädokriminalität in Deutschland gelesen hatte.

"Der Artikel hat mir was klargemacht, und ich sage das mit dem Freibad deswegen dazu, weil danach bin ich so mit den Kindern Eis kaufen gegangen. Und ich konnte irgendwie diese Familien alle nicht mehr gleich anschauen, wie noch 2 Stunden davor. Der Artikel hat mir klargemacht, dass ich mit Sicherheit nicht nur Opfer von sexualisierter Gewalt an Kindern kenne, sondern auch Täter. Das muss einfach so sein, statistisch. Und daraus hatte ich so ein Ohnmachtsgefühl und hatte eigentlich sehr schnell den Gedanken. Das Einzige, was ich tun kann, zu dieser Thematik, ist eine Geschichte zu erzählen, weil ich das eben beruflich mache." - Filmemacherin Marie Kreutzer im FluxFM-Interview

Der Film widmet sich dabei nicht den Tätern, sondern den Menschen in deren Umfeld. Wie reagieren diese? Akzeptieren sie Fakten oder drehen sie sich die Realität zurecht - womöglich auch um sich selbst und das Bild eines geliebten Menschen zu schützen. In Gentle Monster passiert dies auf doppelte Weise - sei es die großartig aufspielende Léa Seydoux als Lucy, oder aber Jella Hasse als Ermittlerin Elsa. Beide Frauen wissen um Taten, verschließen jedoch in gewisser Weise ihre Augen. Mit Blick auf das Casting der beiden hatte Marie Kreutzer eine klare Idee.

"Also auf der einen Seite finde ich im Casting immer reizvoll, Menschen zusammenzubesetzen, die man in dieser Kombination noch nicht gesehen hat und vielleicht Menschen auch mal für eine Rolle zu besetzen, in der man sie noch nicht gesehen hat. Und das war natürlich der Reiz bei Yela, dass ich das Gefühl hatte, es wäre eigentlich irgendwie interessant und originell, weil man sie so nicht kennt. Und ich glaube, das war auch für sie der Reiz und auch die Herausforderung an dieser Rolle." - Filmemacherin Marie Kreutzer im FluxFM-Interview

Fazit zu "Gentle Monster": Ein Film, der nicht wegschaut

Leicht macht es Marie Kreutzer ihrem Publikum nicht. Gentle Monster ist schwer auszuhalten – wegen seines Themas, aber auch wegen der Entscheidungen seiner Figuren. Darin liegt die Stärke: Der Film schaut nicht weg, sondern hält uns ein unangenehmes Thema direkt vor Augen.

Film: Gentle Monster | Kinostart: 17.09.2026 | Länge: 114 Minuten | Altersfreigabe: FSK 16 | Regie & Drehbuch: Marie Kreutzer | Cast: u.a. Léa Seydoux, Jella Haase, Laurence Rupp | Verleih: Alamode Film

Das Breitbild zu Gentle Monster wurde erstmals am 17.09.2026 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.