
Danger Dan - Keine Angst | Album der Woche
Gänsehaut am laufenden Band
04.10.2026 Daniel Meinel
Vor fünf Jahren erfand Danger Dan mit seinem mit Gold ausgezeichneten Solo-Erfolg Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt fast beiläufig ein eigenes Genre. Nun legt der Antilopen-Gang-Rapper nach: Auf seinem neuen Album Keine Angst setzt er erneut auf die Kraft von Klavier und Haltung – frei von aufgeblasenem Schnickschnack, aber voller Schärfe, Wärme und feinsinnigem Humor.
Es ist Frühling, doch gesellschaftlich fühlt es sich nach einem besonders kalten Winter an. Steigende Umfragewerte für rechte Parteien, wachsender Antisemitismus und gezielte Angriffe auf CSDs machen deutlich, wie brüchig die Solidarität geworden ist. Danger Dan liefert darauf kein halbgares Liebesgesülze, sondern radikale Kunst, Humor und die nötige Portions Nonchalance.
Rezension I
Danger Dan - Keine Angst
Keine Angst ist weit mehr als nur ein politisches Statement. Es ist ein zutiefst persönliches Werk, das von einer großen Intimität zeugt. In jüngster Zeit thematisierte der Musiker öffentlich, dass er an einer unheilbaren Augenerkrankung leidet, die zu einem fortschreitenden Verlust seines Sehvermögens führt. Zudem sprach er erstmals offen über seine Bisexualität und eine vergangene Liebesbeziehung zu einem Mann.
Diese lebensverändernden Einschnitte und die schonungslose Konfrontation mit der eigenen Verletzlichkeit und Identität verleihen den neuen Liedern eine noch tiefere, angreifbarere Ebene. Dabei ist der Albumtitel kein furchtloses Heldentum, sondern beschreibt die radikale Entscheidung, den eigenen Ängsten offen ins Gesicht zu sehen.
"Es geht eher darum, seinen eigenen Ängsten zu begegnen und vielleicht auch um die Frage, wie können wir eigentlich gemeinsam unsere Ängste überwinden. Und ich fürchte, wenn man Ängste besiegen will, ist der einzige Weg, sich mit den Ängsten zu konfrontieren.“ Danger Dan
Musikalisch hat Danger Dan der Versuchung des großen Boheis konsequent widerstanden. Es gibt auf dem Album weder aufgeblasene Orchester oder Chöre noch übertrieben viele sonstige Instrumente. Das Album wurde gemeinsam mit seinem Bruder Panik Panzer schlicht zuhause produziert und am Ende von Philipp Schwär abgemischt. Abgesehen von einem in Zürich aufgenommenen Streicherquartett bleibt alles auf das Wesentliche reduziert.
Das Ergebnis ist eine eigensinnige Art von romantischem Agitprop-Chanson, das die drängenden Fragen unserer Zeit mit Alltagsbeobachtungen über Versicherungsvertreter, Kneipenschlägereien und dem Sinn des Lebens verwebt. Trotz der geballten Ernsthaftigkeit der Themen verliert Keine Angst jedoch nie die typische Nonchalance und den feinsinnigen Humor des 43-Jährigen. Denn Protest und Haltung brauchen auch das Lachen.
Im Radio: 28. September - 4. Oktober 2026



















