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"Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" - Herzlich Melancholisch! | Breitbild Filmkritik

Die zweite Verfilmung aus Joachim Meyerhoffs Romanreihe "Alle Toten fliegen hoch" überzeugt  als charmante Tragikomödie

28.01.2026 Ron Stoklas

Das eigene Leben als Inspiration für die Bühne, die Literatur und die Filmwelt nutzen - Autor und Schauspieler Joachim Meyerhoff hat das gemacht. Mit Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke startet am 29. Januar 2026 der zweite Film über ihn im Kino. FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas mit der Kritik zum Film.

FluxFM-Kritik zu "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"

Die Welt des Schauspiels ist für Außenstehende oft geprägt vom Gedanken an Glitzer und Glamour. Dass diese Welt aber auch ziemlich absurd sein kann, erlebt Joachim, als er an der Otto-Falkenberg-Schule in München angenommen wird – einer renommierten Schauspielschule, an der seine Großmutter Inge einst unterrichtet hat.

Oma Inge: "Jetzt erzähl mal, deine erste Woche auf der Schauspielschule?"
Joachim: "Es war ziemlich Interessant. Heute mussten wir am Ende alle nochmal zwei Zettel ziehen. Einen Schriftsteller und ein Tier. Und ich habe gezogen: Fontane und das Nilpferd. Und jetzt muss ich nächste Woche Effi Briest vortragen, als Nilpferd."
Opa Hermann: "Um Gottes Willen… Warum?"
Joachim: "Habt ihr das früher nicht gemacht?"
Oma Inge: "Ich war niemals ein Nilpferd! Niemals!"
Opa Hermann: "Niemals war deine Großmutter ein Nilpferd!"
Oma Inge: "Hat sich wohl einiges geändert, seit ich an der Schule tätig war."
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Allein im Rampenlicht mit seinen Gedanken: Joachim, dargestellt von Schauspieler Bruno Alexander 2025 Komplizen Film GmbH / Doll Filmproduktion GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH

Eine von vielen skurrilen Übungen, die Joachim erlebt – und über die es sich im Kino herzlich schmunzeln lässt. Gleiches gilt für Gast-Auftritte im Film. Sei es, wenn Tom Schilling, als selbstverliebter Regieassistent, obszöne Darbietungen am Theater fordert, oder Karoline Herfurth beim Improvisationstraining dazu animiert, sich in eine Nudel zu verwandeln. Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ist jedoch kein plumper Klamauk. Über allem wabert das Gefühl der Melancholie. Vor allem dann, wenn Joachim über den Verlust seines Bruders nachdenkt oder versucht, seinen Platz in der Welt zu finden. Eine Bestimmung, die er noch nicht in Worte fassen kann.

Witzig, herzlich und wunderbar melancholisch - Simon Verhoeven gelingt ein durch und durch charmanter Film

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Senta Berger (l) und Sohn Simon Verhoeven (r) am Set mit Bruno Alexander (m) und Michael Wittenborn (u) 2025 Komplizen Film GmbH / Doll Filmproduktion GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH

Die Geschichte basiert auf dem Leben von Autor und Schauspieler Joachim Meyerhoff. Dessen Romanreihe Alle Toten fliegen hoch blickt autofiktional - chronologisch nicht immer ganz korrekt - auf sein Leben. Wurde 2023 in Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war seine Kindheit auf dem Gelände der von seinem Vater geleiteten Psychiatrie betrachtet, folgt nun die Zeit als junger Mann. Für Regisseur Simon Verhoeven auf mehreren Ebenen ein besonderes Projekt. Zum einen, weil der Filmemacher gemeinsam mit seiner Mutter Senta Berger drehen konnte, zum anderen, weil er bekennender Fan der Romanvorlage ist.

"Ich liebe diese Welt, die Meyerhoff geschaffen hat in seinen Romanen. Ich habe diesen Roman vor etwa sieben oder acht Jahren das erste Mal gelesen. Es war das erste Buch, das ich gelesen habe von Meyerhoff. Und ich habe es verschlungen. Ich habe gelacht auf jeder zweiten Seite. Ich habe geweint. Ich war berührt. Ich dachte mir von Anfang an: Das ist ein Film! Also wenn es ein ganzes Universum wird, umso besser. Ich bin froh Teil davon zu sein." - Simon Verhoeven im Gespräch

Während Die Discounter-Star Bruno Alexander den jungen, an sich selbst und der Welt zweifelnden Joachim überzeugend unsicher spielt, übernimmt Verhoevens Mutter Senta Berger die Rolle von Inge Birkmann, einer Schauspiel-Diva alter Klasse. Dazu kommt Michael Wittenborn als Philosoph Hermann Krings, Joachims Großvater. Das Zusammenspiel dieser drei – mal familiär, mal freundschaftlich, mal mit allerlei kuriosen Starallüren – bildet das Herzstück des Films. Und so entsteht am Ende eine charmante Tragikomödie, die nicht nur gut besetzt, sondern auch wunderbar herzlich erzählt ist.

Film: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke| Kinostart: 29.01.2026 | Altersfreigabe: FSK 6 | Länge: 136 Minuten | Regie & Drehbuch: Simon Verhoeven | Cast: u.a. Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn

Das Breitbild zu "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" wurde erstmals am 29. Januar 2026 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.