
"Hamnet" - Ein magischer Film über Liebe, Tod und den Umgang mit Trauer | Breitbild Filmkritik
Regisseurin Chloé Zhao erzählt in poetischen Bildern von Lieben und Leiden von Agnes und William Shakespeare
22.01.2026 Ron Stoklas
Mit Hamnet startet am 22. Januar 2026 einer der besten Filme des Jahres im Kino. So lautet die deutliche Einschätzung von FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas. Der neue Film von Regisseurin Chloé Zhao wurde bereits mehrfach in den zurückliegenden Monaten mit Preisen ausgezeichnet - darunter die Awards als Bestes Drama des Jahres bei den Golden Globe Awards 2026 oder wiederholte Würdigungen von Hauptdarstellerin Jessie Buckley. Jüngst erhielt der Film acht Nominierungen für die Oscar-Verleihung 2026. Zum Kinostart liefert FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas die Kritik zu Hamnet.
FluxFM-Kritik: Liebe, Tod und Trauerbewältigung im Mittelalter
Aus Liebe kann Leben entstehen. Aus dem Leben wiederum entsteht unausweichlicher der Tod. Ein Kreislauf, der mit Trauer verbunden ist. Diese Gefühle - Liebe, Tod und Trauer - packt Regisseurin Chloe Zhao in Hamnet. Es geht um die Beziehung von Agnes und William Shakespeare im 16. Jahrhundert. Sie, eine naturverbundene Frau, die angeblich die Tochter der Dorfhexe ist. Er, noch nicht der gefeierte Dramatiker, sondern ein Lehrer mit einer Vorliebe für Geschichten.
William: "Nun verliebte sich Orpheus in die wunderschöne Nymphe Eurydike. Schon bald nach ihrer Hochzeit, Eurydike von einer Natter gebissen und Gift durchzieht ihren Leib und tötet sie. Und Orpheus von Trauer erfüllt, wandert in die Unterwelt, um sie zurückzuholen."
Im Lauf der Jahre bekommt das Paar drei Kinder: erst Susanna, später die Zwillinge Judith und Hamnet. Wir erleben glückliche Momente, das dörfliche Leben im 16. Jahrhundert, die strikte Hand der Schwiegermutter von Agnes, aber auch die Abwesenheit des Vaters, der der Verlockung des Theaters nach London folgt. Eine Passion, die auch Sohn Hamnet teilt.
Hamnet: "Ich wäre gern einer der Schauspieler mit einem Schwert.
Agnes: "Ein Schwert?"
Hamnet: "Ja! Und ich schlage es gegen das Schwert des anderen Schauspielers."
Agnes: "Zeig's mir!"
Hamnet: "Ja! Er und ich kämpfen erbittert. Und alle, die dabei zusehen, verlieren aus Furcht den Verstand!"
Agnes: "Und wer wird der Sieger?"
Hamnet: "Ich, wer sonst."
Agnes: "Wer sonst als du."
Hamnet x Hamlet - Kreativität als Form der Trauerbewältigung
Infolge der Pest passiert die Tragödie. Hamnet stirbt. Das Paar zerbricht in gewisser Weise am Verlust - auch aufgrund der fehlenden gemeinsamen Trauer. Während Agnes allein in ihrer Trauer zurückbleibt, fliegt William regelrecht in seine Arbeit am Theater in London. Dabei entsteht, so die in der gleichnamigen Romanvorlage von Maggie O’Farrell aufgebaute Theorie, das Stück Hamlet. Ein Bezug auf einen Verweis direkt zu Beginn des Films. Demnach waren die beiden Namen Hamnet und Hamlet im elisabethanischen England des 16. Jahrhunderts austauschbar, Hamnet zudem ein gängiger Spitzname für Hamlet.
Während Paul Mescal den innerlich zerrissenen William wirklich eindrucksvoll spielt, gelingt Jessie Buckley gar eine Oscar-reife Performance der Agnes - verletzlich, menschlich, nahbar. Für Regisseurin Chloe Zhao keine Überraschung:
"Abgesehen davon, dass sie eine brillante Schauspielerin ist, ist sie frei von Eitelkeit. Ich glaube, Eitelkeit ist der größte Feind der Authentizität. Und die größten Geschenke, die Schauspieler*innen der Welt machen können, sind ihre Authentizität, ihre Unvollkommenheit und ihre Menschlichkeit. Und ich wusste, dass Jessie sich völlig öffnen würde." - Regisseurin Chloé Zhao über Jessie Buckley
Fazit zu "Hamnet": Poetische Bilder und magische leise Töne
Eine Geschichte mit solch emotionaler Wucht erzählt, dass die Tränen fließen - das ist Hamnet. Wenngleich die poetischen Bilder und die großartige Musik wirklich magisch sind, sind es doch die leisen Töne, die unausgesprochenen Gefühle und das fehlende Miteinander reden - weil manchmal die richtigen Worte fehlen - die Hamnet so bezaubernd machen. Ein Film, der definitiv zu den besten des Jahres zählt.
Film: Hamnet | Kinostart: 22.01.2026 | Altersfreigabe: FSK 12 | Länge: 116 Minuten | Regie: Chloße & Drehbuch: Anders Thomas Jensen | Cast: u.a. Mads Mikkelsen, Nikolai Lie Kaas



















