
Julia Jacklin - The Gem | Frisch Gepresst
Zurück zu sich selbst und rein in die Lieblingskneipe
30.09.2026 Daniel Meinel
Nach drei gefeierten Alben, exzessiven Welt-Tourneen und dem typischen Trubel der Musikbranche hat sich Julia Jacklin ein Herz gefasst und den Stecker gezogen. Für ihr viertes Studioalbum The Gem, gleichzeitig ihr Debüt beim Kult-Label 4AD, wollte die australische Songwriterin keine durchgestylten High-End-Studios mit perfekter Schallisolierung.
Julia Jacklin kehrte dorthin zurück, wo für sie in Melbourne vor acht Jahren alles begann: In die kleine Seitenstraßen-Kneipe The Gem. Direkt im Raum über dem Pub, den Rat Shack Studios ihres Freundes Robert Muinos, entstand eine Platte, die vor Leben, Ecken und Kanten nur so sprüht. Es ist das musikalische Dokument einer Künstlerin, die den Druck der Erwartungen abgelegt hat und feiert, was Musik im Kern ausmacht: das echte, unperfekte Gefühl im Raum.
„Ich möchte lieben und geliebt werden, aber ich möchte mich auch frei fühlen. Die Spannung zwischen diesen beiden Dingen war die zentrale Frage meines Lebens.“ Julia Jacklin
Klanglich ist The Gem eine Befreiung. Wo früher vor allem intimer, filigraner Indiefolk den Ton angab, regiert jetzt ein herrlich unpolierter, roher Sound. Zusammen mit ihrer eingespielten Band schlägt Jacklin Bogen von mitreißendem 80s-Jangle-Rock über rotzige 90s-Grunge-Gitarren bis hin zu gewaltigen Ausbrüchen.
Der elektrisierende Opener Brand New gibt direkt die Richtung vor: Komprimierte Live-Drums treffen auf markante Country-Gitarren, während Jacklin sich die eigene Erneuerung von der Seele singt. Die Demos wurden nicht monatelang im stillen Kämmerlein zu Tode analysiert, sondern spontan nachmittags im Pub vor einer Handvoll Stammgäste getestet. Diese kompromisslose Spontanität greift auf das gesamte Werk über.
„Wenn ich früher Songs geschrieben habe, wollte ich alles festnageln und genau auf den Punkt bringen. Heute denke ich mir einfach: Ach, nö.“ Julia Jacklin
Im Februar 2027 bringt sie den unverfälschten Kneipen-Zauber aus Melbourne schließlich auch live nach Deutschland – unter anderem für Konzerte im Berliner Festsaal Kreuzberg und im Hamburg Kent Club.
Violins ist ein Album voller Spannung zwischen Härte und Schönheit – und entlässt einen am Ende mit genau dem Gefühl, das Musik im besten Fall auslöst: Erleichterung.
Im Radio: 1. Oktober 2026



















