© cottonbro studio
00:00
02:46
 cottonbro studio, Pexels

Ernst Gennat – Der Mann, der Mordermittlungen erfand | Berliner Schnipsel

Der Mann hinter Babylon Berlin – historisch, klug, unbequem

02.01.2026 Matti Geyer

Vor 100 Jahren wurde in Berlin etwas erfunden, das heute selbstverständlich wirkt: die erste ständige Mordkommission der Welt. Am 1. Januar 1926 nahm sie ihre Arbeit auf – und ihr prägendster Kopf war Ernst Gennat.

Viele kennen ihn aus Babylon Berlin: füllig, scharf denkend, unbestechlich. Doch der echte Ernst Gennat war noch beeindruckender. Aufgewachsen im Gefängnis Plötzensee, brach er Jura- und Chemiestudium ab, um zur Kriminalpolizei zu gehen – und revolutionierte die Mordermittlung grundlegend. Statt Chaos am Tatort führte er Regeln ein: sichern, dokumentieren, nichts anfassen. Gewalt in Verhören? Verboten. Denken war sein wichtigstes Werkzeug.

Gennats Aufklärungsquote lag bei unglaublichen 94 Prozent. Er erfand das „Mordauto“, baute eine riesige Todesermittlungskartei auf – den Vorläufer moderner Datenbanken – und prägte 1930 einen Begriff, der bis heute verwendet wird: Serienmörder. Jahrzehnte, bevor er international bekannt wurde.

Trotz kritischer Haltung blieb Gennat auch nach 1933 im Amt. Als er 1939 starb, begleiteten 2000 Berliner Polizist*innen seinen Sarg. Ein stiller Beweis für den Respekt, den dieser Mann genoss.

Eine perfekte Geschichte für die Reihe über Berliner Erfindungen – erzählt von FluxFM-Redakteur und Stadtführer Matti Geyer.