
"Staatsschutz" - Wen schützt der Staat? Ein Justizthriller der wütend macht! | Breitbild
Nachdem der neue Film von Faraz Shariat bei der Berlinale den Panorama-Publikumspreis gewonnen hat, startet er jetzt im Kino
27.08.2026 Ron Stoklas
Wen schützt der Staat, wenn Rechtsextreme ihn unterwandern? Diese Frage stellt der Film Staatsschutz auf radikale Weise. Es geht um Rassismus und rechte Strukturen in Deutschland. Nachdem der Film von Regisseur Faraz Shariat bei der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere gefeiert und zudem den Publikumspreis der Panorama-Sektion gewonnen hat, startet er jetzt im Kino (27.08.2026). Warum sich der Kinobesuch lohnt, weiß FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas.
FluxFM-Kritik zu "Staatsschutz": Wer schützt den Staat?
19.484 Fälle rassistisch motivierter Gewalt gab es 2025. Das Problem: Die meisten Verfahren werden eingestellt. Das weiß auch Staatsanwältin Seyo Kim. Sie arbeitet in der Abteilung Staatsschutz, verhandelt politisch motivierte Straftaten - und gerät selbst ins Visier. Auf dem Weg zur Arbeit wird sie mit einem Molotowcocktail angegriffen.
Seyo Kim: "Ich will eine Anwältin, die sich in der rechten Szene auskennt."
Alexandra Tiedemann: "Ihre Behörde kennt sich ja besser in der linken Szene aus."
Seyo Kim: "Frau Tiedemann, wir ermitteln in alle Richtungen."
Alexandra Tiedemann: "Ja, Sie sind neutral. Aber komischerweise interessiert sich die Staatsanwaltschaft ausfallend wenig für meine Mandant*innen, wenn sie Opfer von Straftaten sind. Wenn sie ihnen etwas vorwerfen können, dann sind plötzlich alle Helfer."
Eine Erfahrung, die auch die Deutschkoreanerin macht. Als ihre Behörde blockiert, ermittelt sie auf eigene Faust. Schnell zeigt sich: Hinter dem Angriff steckt ein rechtes Netzwerk, das schon in frühere Fälle verwickelt war. Ermittelt wurde meist nur halbherzig, Verfahren wurden eingestellt. Eine Tatsache, die Seyo hinterfragt - und dabei auf Widerstand stößt.
Oberstaatsanwalt Forch: "Auf wessen Seite stehen Sie eigentlich? Warum haben Sie denn kein Vertrauen in Ihre eigene Behörde?"
Seyo Kim: "Ich bin hier das Opfer."
Oberstaatsanwalt Forch: "Ja, aber das gibt Ihnen doch nicht das Recht, die Augen vor der Realität zu verschließen. Reißen Sie sich jetzt mal zusammen, Frau Kim. Sie sind in erster Linie Repräsentantin dieses Staates."
Im Fall von Staatsschutz entwickelt sich daraus ein packender Justizthriller. Laut Regisseur Faraz Shariat wurde für die Story nicht nur zu realen Fällen wie dem NSU oder dem Neukölln-Komplex recherchiert - auch die Perspektive Betroffener war beim Filmdreh wichtig.
"Was berichten eigentlich Opfer rechter Gewalt im Kontext von Justiz und Polizei und was für Erfahrungen haben die da gemacht? Warum gibt es so einen Vertrauensverlust in die deutschen Behörden? All diese Dinge kommen dann ja auch immer wieder ans Set. Also weil wir Szenen haben, wo es darum geht, weil wir aber auch Leute in der Stadt Hysterie zum Beispiel hatten, die Überlebende waren von Anschlägen." - Faraz Shariat im FluxFM-Interview
Ungeschönt blickt der Film auf institutionellen Rassismus in der deutschen Justiz - und hinterfragt, wer ihn ermöglicht. Für Shariat nicht nur eine filmische, sondern womöglich gar Aufgabe einer Demokratie.
"Es gibt ja diesen Mythos, der im Film auch zitiert wird, dass das deutsche Justizsystem eigentlich das Objektivste der Welt ist. Und gleichzeitig kann ein System oder eine Justiz nun so objektiv sein wie die Menschen, die dort arbeiten. Und das ist eine Wahrheit, an die ich glaube und warum sozusagen auch so ein Bekenntnis zur Subjektivität ein wichtiger Schritt ist, dieses System vielleicht gerechter zu machen." - Faraz Shariat im FluxFM-Interview
Nicht wegsehen, sondern das System verbessern - dieser Devise folgend präsentiert Staatsschutz eine Geschichte, die wütend macht. Wütend über ein System, das Schwachstellen hat, die schon ausgenutzt werden. Wütend aber auch darüber, dass wir als Gesellschaft zulassen, dass die deutsche Justiz vor allem von Rechts ausgehölt wird.
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Die Breitbild-Filmkritik zu Staatsschutz wurde erstmals am 27.08.2026 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.





















