Sandra Hüller (l) und Hanns Zischler (r) im Film "Vaterland" als Erika und Thomas Mann, © Agata Grzybowsk
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Sandra Hüller (l) und Hanns Zischler (r) im Film "Vaterland" als Erika und Thomas Mann Agata Grzybowsk

"Vaterland" - Familie Mann als Spiegel einer gespaltenen Nation | Breitbild Kritik

Der in Cannes prämierte Film von Paweł Pawlikowski erzählt von einem Land und einer Familie in Trümmern

03.09.2026

Deutschland und die Filmfestspiele von Cannes – 2026 war das eine echte Liebesgeschichte. Mehrere Preise gingen an Produktionen mit deutscher Beteiligung. Darunter das Drama Vaterland mit Sandra Hüller und Hanns Zischler. Filmemacher Paweł Pawlikowski wurde für den Film über eine Reise von Schriftsteller Thomas Mann durch das zerrissene Nachkriegsdeutschland mit dem Preis für die beste Regie prämiert. Passend zum Kinostart am 03. September 2026 liefert FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas die Kritik.

FluxFM-Kritik: Das wohl ungewöhnlichste Roadmovie des Jahres

Erika Mann: "Ich möchte, dass du mitkommst."
Klaus Mann: "Ich überleg's mir. Aber nur deinetwegen."

Die letzte Bitte von Erika an Bruder Klaus – er möge sie und ihren Vater, Schriftsteller Thomas Mann, 1949 auf eine Reise durch das geteilte Nachkriegsdeutschland begleiten. Dazu kommt es nicht. Klaus wählt den Freitod. Eine Tragödie, die wie ein Schatten über der Tour liegt, wenn Tochter und Vater Mann im schicken, schwarzen Buick von West nach Ost fahren. Dazu kommt – vor allem in der westlichen Trizone – eine Skepsis gegenüber dem Schriftsteller, weil er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ins Exil gegangen war, erst in die Schweiz, später in die USA.

Journalist: "Herr Professor Mann, Sie haben Deutschland im Jahr 1933 verlassen, anstatt in die innere Immigration zu gehen und mit dem deutschen Volk in den schwierigen Jahren, die hinter uns liegen, zu leiden. Was antworten Sie denjenigen, die Sie des Verrats oder mangelnder Solidarität beschuldigen?"
Thomas Mann: "Wäre ich hier geblieben, könnten wir heute nicht miteinander reden."

Während ein Teil der Familie Mann die einstige Heimat aus ihrem Leben verbannt hat, ist Thomas Mann das Sinnbild der Sehnsucht nach dem verlorenen Vaterland. Aus Sicht von Hanns Zischler, der den Schriftsteller spielt, konnte dieser "sein Deutschland" jedoch nicht leicht benennen.

"Ich glaube, dass Thomas Mann am liebsten ein goethisches Bild von Deutschland gehabt hätte. Also sozusagen eines, das vorstaatlich ist, das sozusagen schon im Geistigen liegt. Und dass das andere ihm etwas zu schaffen macht. Da hat er sich auch schwer verrannt, also mit den Betrachtungen eines Unpolitischen, dass er gemerkt hat, auf diese deutsche Identität hätte ich mich mal nicht einlassen sollen. Das hat er dann auch wirklich korrigieren können. Es ist ja auch verblüffend, dass jemand, der je älter er wird, desto kritischer, selbstkritischer wird er. Das finde ich eine verblüffende Entwicklung." - Hanns Zischler im Gespräch zu "Vaterland

Fazit: Familie Mann als Spiegel einer gespaltenen Nation

Die Manns als Spiegel der Zerrissenheit des geteilten und in Trümmern liegenden Deutschlands. Der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski wagt diesen Vergleich im in schwarzweiß Bildern gehaltenen Vaterland – dem wohl ungewöhnlichsten Roadmovie des Jahres. Dass es funktioniert liegt neben der melancholischen Tonalität vor allem am Duo im Mittelpunkt: Hanns Zischler und Sandra Hüller. Beispiel spielen großartig, wobei vor allem Hüller mal wieder eine Masterclass der Schauspielkunst präsentiert.

Film: Vaterland | Kinostart: 03.09.2026 | Länge: 82 Minuten | Altersfreigabe: FSK 0 | Regie: Paweł Pawlikowski | Drehbuch: Paweł Pawlikowski, Henk Handloegten | Cast: u.a. Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl | Verleih: Neue Visionen