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"Rental Family" - Einsamkeit als Businessmodell | Breitbild Filmkritik

Oscar-Preisträger Brendan Fraser brilliert im neuen Film von Regisseurin Hikari in der Rolle des gescheiterten Schauspielers

08.01.2026 Ron Stoklas

Eine fremde Person bezahlen, die als jemand aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis bei einem Geburtstag dabei ist? Krasse Vorstellung. In Japan gibt es das - und es ist ganz normal. Um die Idee solcher Leihfamilien geht es im Film Rental Family, der am 08. Januar 2026 in den deutschen Kinos startet. FluxFM-Filmchecker Ron Stoklas mit der Kritik zum neuen Film mit Oscar-Preisträger Brendan Fraser.

FluxFM-Kritik zu Rental Family: Einsamkeit als Businessmodell

Eine absurde Zahnpastawerbung ist das Karriere-Highlight von Philipp. Gedreht hat sie der amerikanische Schauspieler in seiner Wahlheimat Japan. Ansonsten sieht es eher mau aus mit Jobs. Als es finanziell eng wird, bietet ihm eine ungewöhnliche Agentur einen Job an.

Shinji: "Was glauben Sie, tun wir hier?"
Philipp: "Wenn ich das richtig verstehe, Sie verkaufen Menschen."
Shinji: "Nein, wir verkaufen Emotionen. Wir spielen Rollen im Leben der Menschen."
Philipp: "Aber sie können nicht einfach jemanden in ihrem Leben ersetzen."
Shinji: "Ja und nein. Sie müssen die Person nicht sein. Sie müssen den Kunden nur helfen zu finden, was ihnen fehlt."

Leihfamilien? Ein reales Geschäftsmodell in Japan!

Gegen Bezahlung übernimmt Philipp bei Fremden die Rolle als Vater, entfernter Verwandter oder Freund - und das bei Verabredungen, der Schulanmeldung oder bei Beerdigungen. Das absurde Geschäftsmodell war für Oscar-Preisträger Brendan Fraser ausschlaggebend, beim Film dabei sein zu wollen, wie er im Interview erzählt.

"Was ist eine Leihfamilie? Kann man eine kaufen oder leihen? Ich habe das Drehbuch gelesen und war begeistert, wie komplex, interessant und widersprüchlich es war. Für Europäer, Amerikaner, für alle – die Vorstellung, einen Darsteller, einen Schauspieler zu engagieren, der als Familienmitglied auftritt, ist ziemlich ungewöhnlich." - Schauspieler Brendan Fraser

In Japan sind solche Agenturen seit Jahrzehnten Realität, etwa 300 gibt es aktuell. Die Gründe für ihren Erfolg sind vielfältig, teils lassen sie sich aber mit gesellschaftlichen Gegebenheiten begründen. Sei es, weil psychische Erkrankungen nicht angesprochen werden oder familiäre Harmonie durch die Gesellschaft gefordert wird. Letzteres führt im Film dazu, dass Philipp als Leihvater für Mia gebucht wird.

Mia: "Und deine Nationalität?"
Philipp: "Amerikaner. Meine Urgroßeltern kamen aus Irland."
Mia: "Ich bin zum Teil irisch? Das ist cool! Ist das da von meine Großeltern leben?"
Philipp: "Nein, meine Mutter lebte dort."
Mia: "Redet ihr miteinander?"
Philipp: "Sie sind verstorben."
Mia: "Hast du sonst noch jemanden?"
Philipp: "Ich habe jetzt dich!"

Fazit zu Rental Family: : Ein Film zum Weinen und Lachen

Einsamkeit als Businessmodell, aber auch als Türöffner, um Verständnis für fremde Kulturen und Lebensrealitäten aufzubauen. Regisseurin Hikari gelingt mit Rental Family dieser Spagat auf sensible Weise. Vor allem Brendan Fraser brilliert in der Rolle des gescheiterten und in der Fremde gestrandeten Schauspielers. Rental Family ist ein Film, der einen lachen, weinen und über das eigene Leben nachdenken lässt.