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Vom Sprung zum Flug – Otto Lilienthal und der Traum vom Fliegen | Berliner Schnipsel

Wie ein Berliner das Fliegen erfand – lange vor dem Flugzeug

06.01.2026 Matti Geyer

Vor 100 Jahren wurde in Berlin die Deutsche Lufthansa gegründet. Der erste Flug führte wenig später von Tempelhof nach Weimar. Doch all das wäre undenkbar gewesen ohne einen Mann, der Jahrzehnte zuvor in Berlin das Fliegen für Menschen überhaupt erst möglich machte: Otto Lilienthal.

Lilienthal gilt als erster erfolgreicher Flieger der Menschheit. Schon mit 14 Jahren baut er sich Flügel, schnallt sie an die Arme und springt. Er stürzt – aber gibt nicht auf. Fliegen wird zu seiner Obsession.

Seine Ausbildung führt ihn nach Potsdam, später arbeitet und forscht er in Berlin. In Lichterfelde hält er ab 1889 sogar vier Störche zu Studienzwecken. Lilienthal erkennt: Unter den Flügeln ist die Luft langsamer als darüber – und genau das erzeugt Auftrieb. Diese Beobachtung wird zur Grundlage seiner Flugapparate.

Ab 1891 setzt er seine Theorie in die Praxis um. Erst kleine Sprünge im Garten, dann immer größere Gleitflüge auf Hügeln und Sandgruben rund um Berlin. 25 Meter, 80 Meter, 250 Meter. Bis zu 50 km/h schnell, nur getragen von Wind, Flügeln und Körperbeherrschung. Jeder Flug wird dokumentiert, jedes Detail analysiert. Lilienthal verändert Profile, Neigungen, Gewichte – systematisch, wissenschaftlich, beharrlich.

Sein bekanntester Apparat ist der Normalsegelapparat: stoffbespannt, gesteuert durch Gewichtsverlagerung. Er baut ihn in Serie. 500 Mark kostet damit das erste seriengefertigte Fluggerät der Welt.

Am 9. August 1896 steigt Otto Lilienthal auf den Gollenberg im Havelland. Sonne, Wind – perfekte Bedingungen. Doch eine Böe bringt seinen Gleiter ins Trudeln. Er stürzt schwer und sagt noch: „Ich muss mich nur ausruhen, dann machen wir weiter.“ Einen Tag später stirbt er.

Über 2.000 Flüge hat Lilienthal absolviert, Rekorde aufgestellt – und den Grundstein für die moderne Luftfahrt gelegt. Ohne ihn hätte der Traum vom Fliegen womöglich noch Jahrzehnte länger gebraucht.

Ein weiteres Berliner Schnipsel aus der Reihe über Berliner Erfindungen – vorgestellt von FluxFM-Redakteur und Stadtführer Matti Geyer.