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Mies van der Rohe, Bacardi und Fidel Castro: Wie die Neue Nationalgalerie entstand | Berliner Schnipsel

Ein Museum, das fast in Kuba gebaut worden wäre – und warum es heute Berlins Kunstszene prägt

20.03.2026 Matti Geyer

Berlin ist voller Geschichten – und die Neue Nationalgalerie hat eine der skurrilsten. Das weltberühmte Museum, das heute zu den Ikonen der Moderne zählt, wäre fast in Kuba entstanden. 1957 skizzierte Ludwig Mies van der Rohe auf einer Cocktailserviette in Havanna den Entwurf für ein radikales Bürogebäude – offen, transparent, ohne Wände. Doch dann kam Fidel Castro an die Macht, die Bacardi-Eigentümer flohen, und der Plan landete in einer Schublade. Bis West-Berlin 1962 nach einem neuen Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts suchte. Mies griff seinen alten Entwurf wieder auf, machte ihn größer, monumentaler – und schuf so sein letztes Meisterwerk.

Heute ist die Neue Nationalgalerie nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Ort, an dem Kunst immer wieder neu inszeniert wird. Der „Universalraum“ unter dem 65 Meter breiten Stahl-Dach passt sich den Ausstellungen an – nicht umgekehrt. Und gerade jetzt lohnt sich ein Besuch besonders: Mit der Sonderausstellung zu Constantin Brâncuși, einem der revolutionärsten Bildhauer der Moderne, zeigt das Museum über 150 Leihgaben aus dem Centre Pompidou. Bis zum 9. August kannst du hier erleben, wie Brâncuși die Bildhauerei auf das Wesentliche reduzierte – und warum seine Werke perfekt in Mies‘ gläserner Architektur wirken.