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Das Instagram des 19. Jahrhunderts: Die Litfaßsäule | Berliner Schnipsel

Die Erfindung der Litfaßsäule

22.01.2026 Matti Geyer

Computer, Fernseher, Kondome – viele Erfindungen haben zumindest ein bisschen Berlin in sich. Und manche prägen das Stadtbild bis heute. In dieser Ausgabe der Berliner Schnipsel geht es um genau so eine Idee: die Litfaßsäule.

FluxFM-Redakteur Matti Geyer erzählt die Geschichte von Ernst Litfaß, der mit Druckerschwärze aufwächst, durch Europa reist, Theater gründet – und schließlich ein Problem erkennt, das ganz Berlin betrifft: Plakat-Chaos.

Mitte des 19. Jahrhunderts wächst die Stadt rasant. Ankündigungen, Werbung und Nachrichten kleben überall – übereinander, halb abgerissen, an Zäunen und Bäumen. Litfaß hat eine einfache, aber geniale Idee: eine Säule, von allen Seiten sichtbar, auf der Plakate gebündelt werden.

Sein Pitch an den Polizeipräsidenten ist unschlagbar: kein Aufwand für die Stadt, kostenlose staatliche Bekanntmachungen – dafür ein Monopol. Litfaß bekommt den Zuschlag. Zur Eröffnung spielt Musik, die Werbung macht Werbung für sich selbst.

Spätestens in den Kriegen von 1866 und 1870/71 werden die Säulen zum Publikumsmagneten. Hier hängen als Erste Kriegsdepeschen und Siegesmeldungen. Wer in Berlin gesehen werden will, kommt an Litfaß nicht vorbei.

Heute stehen 24 Litfaßsäulen in Berlin unter Denkmalschutz. Die erste Säule in der Münzstraße existiert zwar nicht mehr – doch eine bronzene Denkmalsäule erinnert noch immer an ihren Standort.